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Neurologie 1. April 2014

Individuelle Hirngrenzen

Erstmals konnte die Grenze zwischen Hippocampus und Amygdala dargestellt werden. Dabei zeigte sich: Sie verläuft individuell unterschiedlich.

Tief im menschlichen Gehirn liegen zwei kleine, aber wichtige Strukturen dicht zusammen: Die Amygdala spielt eine entscheidende Rolle, wenn es um Gefühle geht, der Hippocampus ist eine Schaltzentrale für das Gedächtnis. Wegen ihrer geringen Größe waren diese Hirnbereiche beim lebenden Menschen bisher schwer auseinanderzuhalten – die Amygdala ist etwa so groß wie ein Mandelkern. Besonders die Grenze zwischen ihnen konnte mit bildgebenden Verfahren nicht dargestellt werden, weil die räumliche Auflösung nicht ausreichte, um die Grenzregion darzustellen. Dank des Einsatzes eines Hochleistungs-Kernspintomografen konnten deutsche Wissenschaftler nun erstmals die Grenze zwischen Amygdala und Hippocampus kartieren.

Das Team untersuchte sechs gesunde Probandinnen und Probanden in einem 7-Tesla-Magnetresonanztomografen. Diese Geräte erzeugen ein vielfach stärkeres magnetisches Feld als die in Kliniken üblicherweise eingesetzten Scanner und liefern hierdurch ein deutlich exakteres Bild der Strukturen im menschlichen Körper.

Bei der Untersuchung der Probanden machten die Wissenschaftler eine überraschende Entdeckung: Die Grenze zwischen Amygdala und Hippocampus verlief bei jeder Person deutlich anders und unterschied sich sogar zwischen linker und rechter Hirnhälfte. Da an dieser Grenze die Hirnbereiche im Austausch miteinander stehen, wenn es um Gefühle und Erinnerungen geht, könnten diese Variationen auch für Unterschiede in der Persönlichkeit verantwortlich sein. In Zukunft, schreiben die Forscher, müssten diese Hirnstrukturen genau vermessen werden, wenn Menschen wegen psychiatrischer Erkrankungen wie Angststörungen untersucht würden. Die Studie zeige zudem, dass es keine standardisierten Karten des Gehirns im Bereich von Amygdala und Hippocampus geben könne. Für jeden Menschen müsse dieser Bereich individuell vermessen werden, um Fehldiagnosen durch falsche Zuordnung zu vermeiden.

Derix J et al.: Hum Brain Mapp 2014; online 12. März

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