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Dem Schneemann ist wohlig kalt! Er beginnt mit dem Abnehmen erst bei Frühlingswärme.
 
Endokrinologie 8. Februar 2014

Kalte Temperaturen zum Abspecken

Eine niederländische Forschergruppe will einen Weg gefunden haben, wie mit Kälte Kilos verloren werden können.

Öfters einmal die Heizung herunterdrehen schone nicht nur die Umwelt, sondern kurbele auch den Stoffwechsel an, vermutet das Team um den Biologen Prof. Wouter van Marken Lichtenbelt aus Maastricht. Ihre Hypothese haben sie in den „Trends in Endocrinology and Metabolism“ 2014 vorgestellt (TEM 2014; online 22. Januar).

Wenn es kühl ist und Menschen frieren, erhöht sich der Muskeltonus – der Körper zittert, so die Hypothese. Die muskuläre Thermogenese ist die direkte Antwort auf Kälte, der „Ofen“ wird quasi angeheizt. Doch die Forscher wollen nicht, dass die ganze Welt zittern muss: Sie denken eher an den biochemischen Ofen, also Wärmeerzeugung durch Verbrennung von Fettsäuren. Und die soll im braunen Fettgewebe stattfinden, das zugeführte Energie direkt in Wärme umsetzt (Nat Med 2013; 19(10): 1252). Heute ist bekannt, dass auch Erwachsene ein wenig braunes Fettgewebe besitzen (N Engl J Med 2009; 360: 1509). Zuvor wurde dies nur Babys zugeschrieben.

Außerdem weiß man, dass die Thermogenese im braunen Fett auch durch Kälte angekurbelt werden kann. 2009 zeigte ein anderes Team um Lichtenbelt, dass die Aktivität dieses Fettgewebes ansteigt, wenn der Körper einer Temperatur von 16 °C ausgesetzt wird. Allerdings konnte in diesem Versuch kein direkter Zusammenhang, zumindest nicht signifikant, nachgewiesen werden (N Engl J Med 2009; 360: 1500). Bekannt ist aber, dass es einen metabolischen Signalweg von der Kältewahrnehmung des Körpers hin zur Aktivität des braunen Fettgewebes gibt. Maßgeblich dafür ist laut einer Studie von texanischen Forschern das sogenannte „entkoppelte Protein 1“ (UCP1), das nur in diesem Gewebe vorkommt. UCP1 wird durch den Koaktivator PGC-1a aktiviert, der wiederum durch Kälte stimuliert wird (Adv Physiol Educ 2006; 30(4): 145). Diese Annahmen haben Lichtenbelts Team zu der Hypothese gebündelt, dass ein bisschen mehr Kälte zu einem bisschen weniger Fett führen könnte. Als „Idealtemperatur“ schätzen sie 18 bis 19 °C.

Chronische Kälte reduziert Zittern

Um ihre Hypothese zu belegen, hatten sie vor einem Jahr ein Experiment mit Freiwilligen veröffentlicht, wo sie 17 Probanden zehn Tage lang jeweils sechs Stunden am Tag bei 15 bis 16 °C frieren ließen (J Clin Invest 2013; 123(8): 3395). Dabei konnten sie zeigen, dass sowohl das Volumen des braunen Fettgewebes deutlich als auch dessen Aktivität zumindest minimal durch den „Kälteschock“ zugenommen haben. Zudem zeigten sie, dass mit „chronischer Kälte“ langsam der Anteil der biochemischen Thermogenese stieg, und das Zittern immer weniger wurde.

Lichtenbelts Team glaubt sogar, dass die nicht muskuläre Thermogenese für bis zu 30 Prozent des Energiehaushalts eines Körpers verantwortlich sein kann – zumindest bei jungen Menschen. Das bedeutet, dass niedrige Temperaturen, so sie denn braunes Fettgewebe zum „Heizen“ anstacheln können, für einen erheblichen Energieumsatz sorgen könnten.

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