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Allgemeinmedizin 17. Jänner 2014

Kaffee reduziert Leberkrebsrisiko

Studien-Update: Im Mittel ist beim täglichen Konsum von drei Tassen das Risiko halbiert.

Bei Menschen mit einem Kaffeekonsum von täglich drei Tassen ist das Leberkrebsrisiko in etwa halbiert. Ob das am Kaffee liegt, ist allerdings eine andere Frage.

Schon lange gibt es Hinweise, dass ein hoher Kaffeekonsum mit einem niedrigen Risiko für ein hepatozelluläres Karzinom (HCC) einhergeht. Im Jahr 2007 ergab eine Metaanalyse von zehn Studien mit insgesamt 2.260 HCC-Patienten für Kaffeetrinker ein um etwa 40 Prozent geringeres Erkrankungsrisiko als bei Menschen ohne Kaffeekonsum. Dabei zeigte sich ein Dosiseffekt: Bei geringem Kaffeekonsum ließ sich ein 30 Prozent niedrigeres Krebsrisiko berechnen, bei hohem Konsum war es um 55 Prozent reduziert.

In der Zwischenzeit sind einige weitere Studien zu diesem Thema publiziert worden. Sechs von ihnen haben jetzt Epidemiologen um Francesca Bravi von der Universität in Mailand, Italien, in eine neue Metaanalyse mit einbezogen. Zusammen mit den älteren Studien konnten die italienischen Forscher für ihr Update also 16 Studien auswerten. In diese Untersuchungen waren Daten von insgesamt 3.153 HCC-Patienten eingeflossen.

Insgesamt änderte sich beim Update nur wenig an der Risikoeinschätzung. Wiederum ließ sich für Kaffeetrinker ein um 40 Prozent reduziertes Risiko für ein HCC berechnen. Wurden nur die acht Kohortenstudien betrachtet, so lag die Risikoreduktion bei 36 Prozent, bei den acht Fall-Kontroll-Studien lag sie bei 44 Prozent. Für einen geringen Kaffeekonsum ist das Lebekrebsrisiko nach diesen Daten um 28 Prozent reduziert, für einen hohen um 56 Prozent. Als hoher Konsum wurden in der Regel drei oder mehr Tassen pro Tag betrachtet. In einer Studie ergab sich sogar eine Risikoreduktion um 68 Prozent für acht oder mehr Tassen pro Tag. Im Mittel ist bei täglich drei Tassen das HCC-Risiko halbiert, pro Tasse konnten Bravi und Mitarbeiter eine (relative) Risikoreduktion von 20 Prozent berechnen, was natürlich nicht heißt, dass das HCCRisiko mit fünf Tassen bei Null liegt, vielmehr nimmt der zusätzliche Nutzen mit jeder zusätzlichen Tasse ab.

Für die Risikoberechnung spielte es keine Rolle, ob die Teilnehmer der Studien viel oder wenig Alkohol tranken, ob sie bereits eine Lebererkrankung hatten oder mit Hepatitis-Viren infiziert waren – in allen Fällen ging der Kaffeekonsum mit einem ähnlich erniedrigten HCC-Risiko einher.

Die interessante Frage ist nun natürlich, ob Kaffee tatsächlich das HCC-Risiko senkt oder ob Kaffeetrinker wegen anderer Ursachen seltener Leberkrebs bekommen. Möglicherweise sind Menschen, die auf Kaffee verzichten, gesundheitlich schon sehr angeschlagen und haben bereits alle möglichen Erkrankungen, darunter auch Leberbeschwerden. Das lässt sich natürlich nicht ganz ausschließen, geben auch die Autoren der Studie zu bedenken. Allerdings war der Zusammenhang von Kaffeekonsum und geringer HCC-Inzidenz auch bei Individuen ohne bekannte Leberleiden zu beobachten.

Leberschützende Antioxidanzien?

Eine Erklärung für potenziell leberschützende Wirkungen von Kaffee könnten Phenolderivate wie Chlorogensäure, Kaffeesäure und Kumarinsäure ebenso liefern wie eine Reihe von Antioxidanzien. So wurden für die Bestandteile Cafestol und Kahweol schützende Effekte im Tierversuch bei einer Aflatoxin-B-Vergiftung beobachtet. Auch auf Leberwerte und Leberenzyme scheinen Kaffeebestandteile günstige Wirkungen zu haben, schreiben Bravi und ihre Mitarbeiter.

Eine große Bedeutung zur HCC-Prävention sehen sie für Kaffee allerdings nicht. Durch die HBV-Impfung, die Vermeidung einer HBV-Übertragung und mehr Zurückhaltung beim Alkoholkonsum ließen sich 90 Prozent der HCC verhindern.

Originalpublikation: Bravi F et al. Coffee Reduces Risk for Hepatocellular Carcinoma: An Updated Meta-analysis. Clin Gastroenterol Hepatol 2013; 11: 1413–1421

springermedizin.de/KK, Ärzte Woche 1/3/2014

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