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© Jaimie Duplass / Photos.com
 

Abstinenzchancen erhöhen

Gezielte Medikation und individuelle Psychotherapie kommen bisher in der Behandlung von Alkoholabhängigen nur selten zum Einsatz. Eine neue Studie zeigt jedoch, dass sich beide in gestuften Behandlungsprogrammen bewähren.

Viele Psychotherapeuten lehnen alkoholabhängige Klienten aufgrund vermeintlich geringer Behandlungschancen ab, meinen die Autoren einer deutschen Studie. Ähnliches gelte für Anti-Craving-Medikamente. Auch sie gehören bislang nicht zur Standardbehandlung. Berner et al. konnten nun zeigen, dass sowohl Anti-Craving-Medikamente als auch Psychotherapie den nächsten Rückfall bei abstinenten Alkoholikern hinauszögern können. Bereits die Einnahme von Medikamenten verdoppelte die Chance, abstinent zu bleiben. Wurden die Patienten zusätzlich psychotherapeutisch betreut, vervierfachte sich die Wahrscheinlichkeit dauerhafter Abstinenz.

An der Studie nahmen 109 Patienten teil, die während einer Behandlung mit Anti-Craving-Medikamenten beziehungsweise Placebos einen schweren Rückfall erlitten hatten. 55 Patienten erhielten Medikamente und medizinische Betreuung, während 54 Patienten zusätzlich eine individuell abgestimmte, störungsspezifische kognitive Verhaltenstherapie absolvieren sollten. Nur 33 Betroffene traten die Therapie jedoch an: „Die prinzipielle Bereitschaft zur Therapie genügt nicht. Oft fehlt die Willenskraft, den Plan auch umzusetzen und einen fremden Therapeuten aufzusuchen. Hier kann eine enge Kooperation und Vernetzung von behandelnden Ärzten und Psychotherapeuten helfen“, so Berner. Auch die individuelle Anpassung der Therapie an die Bedürfnisse des Patienten sei entscheidend für den Behandlungserfolg.

Berner MM et al.: Alcoholism: Clinical & Experimental Research 2013; doi: 10.1111/acer.12317

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