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Gynäkologie und Geburtshilfe 25. November 2013

Cyclotide im Fokus

Oxytocin-ähnliches Pflanzenpeptid erforscht.

Wiener Wissenschaftler haben gemeinsam mit einem internationalen Team die molekulare Wirkung von Peptiden aus einer afrikanischen Heilpflanze entschlüsselt, die eine mögliche Basis für die Entwicklung neuer Medikamente sein könnte.

Zyklische Pflanzenpeptide, sogenannte Cyclotide, wurden ursprünglich als Inhaltsstoffe pflanzlicher Heilmittel entdeckt, die in der traditionellen Medizin bei afrikanischen Völkern zur Geburtseinleitung und zur Vermeidung von Komplikationen danach eingesetzt werden. Die Pflanzen werden als Tee („kalata-kalata“) zubereitet, um bei oraler Anwendung den Geburtsvorgang zu erleichtern und zu beschleunigen. Wie Christian Gruber vom Zentrum für Physiologie und Pharmakologie der MedUni Wien betont, war bis heute aber unklar, ob es für diese Peptide einen bestimmten Rezeptor gibt, um eine Gebärmutterkontraktion auszulösen. „Wir haben jetzt ein Peptid gefunden, Kalata B7, das nicht nur isolierte Uterusmuskelzellen kontrahieren kann, sondern auch an zwei Rezeptoren, dem Oxytocin- und Vasopressin-1a-Rezeptor, bindet und deren Wirkung reguliert.“ Mittels modernster Analytikmethoden wurde nachgewiesen, dass die Pflanzenpeptide eine dem menschlichen Oxytocin ähnliche Struktur besitzen.

Enorme Aminosäurevielfalt

Zyklischen Peptide weisen eine enorme Aminosäurevielfalt auf und kommen weit verbreitet im Pflanzenreich vor. Sie wurden mitunter in Veilchen-, Kürbis- und Nachtschattengewächsen, in Hülsenfrüchtlern und sogar in bestimmten Getreidesorten nachgewiesen. Basierend auf den Forschungsergebnissen können nun Cyclotide aus vielen anderen Pflanzen isoliert und auf verschiedenen Rezeptoren getestet werden. Zukünftiges Ziel ist es, mit den neuesten chemisch-biologischen Erkenntnissen Liganden für Peptid-Rezeptoren zu entwerfen und als Wirkstoff umzusetzen.

 

Die Studie wurde in PNAS publiziert: 10.1073/pnas.1311183110

MedUni Wien/KK, Ärzte Woche 48/2013

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