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Neurologie 25. November 2013

Halsvenen nicht aufdehnen

Tausende Multiple-Sklerose-Patienten setzten in den vergangenen Jahren ihre Hoffnung in eine Verbesserung des Blutflusses ihrer Halsvenen – offenbar ohne wissenschaftliche Grundlage, wie eine aktuelle Studie nahe legt.

Die Ende des vorigen Jahrzehnts entstandene Theorie, Multiple Sklerose werde durch eine Verengung der Venen im Hals- und Brustbereich mitverursacht, ist schon seit einiger Zeit umstritten. Nun zeigt eine aktuelle Studie, dass diese relativ simple Erklärung der komplexen Multiplen Sklerose gar nicht zutrifft: Die Blutabfluss-Störungen kommen nämlich bei MS-Patienten nicht häufiger vor als bei Gesunden. Somit kann die als CCSVI bezeichnete Stauung nicht die Ursache der Erkrankung sein.

Die Studie untersuchte erstmals systematisch die inneren Jugularvenen und die Vena azygos von 79 MS-Betroffenen, 55 nicht erkrankten Geschwistern und 43 gesunden Probanden – und zwar nicht nur mittels Ultraschall, sondern auch mit Katheter-Venographie, dem bildgebenden Goldstandard für die Diagnose venöser Stenosen. Die Resultate zeigen, dass eine CCSVI, wie sie ursprünglich von Paolo Zamboni definiert wurde, selten ist und nicht häufiger vorkommt als bei Personen ohne MS. Die Autoren fanden mit Katheter-Venographie die von Zamboni statuierten Merkmale für eine MS-relevante venöse Stauung gleichermaßen bei 2% der MS-Betroffenen und ihren nicht erkrankten Geschwistern. 3% der Gesunden erfüllten die Kriterien ebenfalls. Die Studie zeigte außerdem, dass der Ultraschall zur Feststellung der CCSVI weder sensitiv noch spezifisch genug ist: Die Ultraschall-Resultate (CCSVI-Kriterien erfüllt bei 44% der Teilnehmer mit MS, 31% der Geschwister und 45% der Gesunden) wichen deutlich von denen der Katheter-Venographie ab.

Traboulsee AL et al.: The Lancet 2013, published online 9. Oktober

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