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© Lakhesis/shutterstock
Könnten kariöse Zähne ein Hinweis auf ein verringertes Risiko für Kopf-Hals-Tumoren sein?
 
Immunologie 31. Oktober 2013

Schützt Karies vor Kopf-Hals-Tumoren?

US-Wissenschaftler haben in einer Fall-Kontroll-Studie Hinweise für eine inverse Assoziation zwischen dem Auftreten von Karies und manchen Kopf-Hals-Tumoren entdeckt.

Möglicherweise kurbeln mit Karies in Zusammenhang stehende Bakterien eine vor Krebs schützende Immunabwehr an.

Vor vier Jahren berichteten Dr. Mine Tezal und ihre Kollegen von der State University von New York in Buffalo in einer Studie von einer Assoziation zwischen dem Auftreten von Paradontitis und unter anderem Kopf-Hals-Tumoren. Jetzt prüften sie, ob das auch für Karies zutrifft.

In der Fall-Kontroll-Studie standen ihnen dazu die Daten und Befunde von 620 Studienteilnehmern zur Verfügung, von denen 399 an einem Kopf-Hals-Tumor erkrankt waren. 36,6 Prozent (146 Teilnehmer) hatten ein Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle, 37,8 Prozent ( 151 Teilnehmer) ein Oropharynxkarzinom und 25,6 Prozent (102 Teilnehmer) ein Karzinom des Kehlkopfes. In der Gruppe der Krebspatienten waren mehr Männer als in der Kontrollgruppe. Die Teilnehmer mit Krebs rauchten mehr, tranken mehr Alkohol und waren älter.

Bei stärkstem Befall war das Krebsrisiko am niedrigsten

Wurde in der statistischen Auswertung der Daten das Alter zum Zeitpunkt der Krebsdiagnose, das Geschlecht, der Familienstand sowie der Konsum von Alkohol und Zigaretten herausgerechnet, zeichnete sich ab, dass nach Einteilung der Teilnehmer in drei Gruppen jene mit dem stärksten Kariesbefall das niedrigste Risiko für einen Kopf-Hals-Tumor hatten (Odds Ratio: 0,32; 95%-Konfidenzintervall zwischen 0,19 und 0,55; p = 0,001).

Bei Teilnehmern mit Zahnkronen war das Krebsrisiko nur um 54 Prozent reduziert (OR: 0,46; 95%-Konfidenzintervall zwischen 0,26 und 0,84; p = 0,03). Das erhöhte Risiko bei Patienten mit Wurzelbehandlung war bei einer univariaten Analyse mit p = 0,01 noch signifikant, nach Korrektur durch die fünf Parameter mit einer OR von 0,55 (95%-Konfidenzintervall zwischen 0,30 und 1,01) und p = 0,15 jedoch nicht mehr.

Keime fördern Zytokinausschüttung

Die inverse Assoziation bestand also auch bei jenen Teilnehmern, die nie geraucht hatten und keinen Alkohol tranken. Allerdings beschränkte sie sich nur auf Krebs der Mundhöhle und Oropharynxkarzinome. Einen Zufallsbefund schließen die Onkologen aus. Eine Assoziation mit vor allem bei den Rauchern auftretenden Larynxkarzinomen wurde nicht festgestellt.

Eigentlich ist Karies mit einer schlechten Mundhygiene und -gesundheit assoziiert, und es ist schwer zu verstehen, wie die Karies vor Krebs schützen sollte. Dennoch haben Tezal und ihre Kollegen mehrere Erklärungsansätze. So könnte es sein, dass Kommensalen wie Streptococcus mutans antikanzerogene und vor Mutationen schützende Substanzen synthetisieren.

Möglich sei auch, dass die Bakterien in das Immunsystem eingreifen und die zellvermittelte Abwehr ankurbeln, indem sie die Ausschüttung von Zytokinen wie Interferon-gamma sowie der Interleukine IL-2 und IL-12 fördern. Möglicherweise werde auch die Vermehrung von entzündungsfördernden gramnegativen Bakterien der Mundhöhle gehemmt.

Als Unterstützung für ihre These führen die Ärzte das Ergebnis einer vor wenigen Jahren publizierten Studie an, in der der Ösophagus von Gesunden viel stärker mit Streptokokken besiedelt war als bei Patienten mit einer Ösophagitis oder einem Barrett-Syndrom. Unter allen Bakterien in der Mundhöhle sind Streptokokken mit einem Anteil von 52 Prozent am häufigsten.

Quelle: springermedizin.de

Studie: Tezal M et al. Dental Caries and Head and Neck Cancers. JAMA Otolaryngol Head Neck Surg 2013, online 21. September; doi: 10.1001/jamaoto.2013.4569

http://archotol.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=1736930

springermedizin.de, Zahnarzt 11/2013

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