zur Navigation zum Inhalt
 
Diabetologie 1. November 2013

Länger leben

Die Lebenserwartung von Menschen mit Typ-1-Diabetes ist gestiegen.

Patienten mit Typ-1-Diabetes erfreuen sich eines längeren Lebens als bisher angenommen. Aber noch immer ist sie geringer als die der Normalbevölkerung. Dieser Unterschied soll und kann noch geringer werden, forderte Helen Colhoun auf dem EASD-Kongress in Barcelona.

Bisher existieren kaum aktuelle Daten zur Lebenserwartung von Patienten mit Typ-1-Diabetes. Auf Basis früherer Studien ging man davon aus, dass diese im Schnitt etwa 20 Jahre kürzer leben als die Normalbevölkerung. Um diese Annahme zu überprüfen, analysierte die Diabetologin Prof. Helen Colhoun von der University of Dundee die Daten eines schottischen Diabetes-Registers, in dem fast alle schottische Typ-1-Diabetespatienten (99 Prozent) registriert sind. Die Forscher fokussierten dabei auf die Daten all jener Patienten, die im Zeitraum von 2008 bis 2010 mindestens 20 Jahre oder älter waren. In diesem Zeitraum wurden 24.971 Patienten mit einem Typ-1-Diabetes identifiziert, es traten 1.079 Todesfälle auf. Die Lebenserwartung wurde geschätzt und mit jener Lebenserwartung der übrigen schottischen Bevölkerung verglichen.

Verlust von elf bis 14 Jahren

Dabei kam heraus, dass 20 bis 24-jährige Männer bzw. Frauen mit Diabetes mellitus Typ 1 mit 45,4 bzw. 46,6 weiteren Lebensjahren rechnen können, 56,5 bzw. 60,9 verbleibende Lebensjahre sind es bei der übrigen Bevölkerung. Ein Unterschied von 11,1 bzw. 14,3 Jahren also immer noch zu Ungunsten der Typ-1-Diabetespatienten. Die gute Nachricht ist jedoch, dass sich die Lebenserwartung offenbar im Vergleich zu früher verbessert hat. Sie ist aber andererseits noch immer schlechter als in der Normalbevölkerung.

„Diese Daten machen durchaus Hoffnung“, sagte Colhoun. Die Prognoseverbesserung führt sie auf Fortschritte im Diabetesmanagement in den letzten 20 bis 40 Jahren zurück.

„Unser Ziel muss es aber sein, Patienten mit Typ-1-Diabetes so zu behandeln, dass sie eine normale Lebenserwartung haben“, bekräftigte Colhoun. Bei gut einem Drittel dieser Personen sei die glykämische Kontrolle mangelhaft.

Etwa fünf Prozent aller Todesfälle gehen bei Diabetes mellitus Typ 1 noch immer auf das Konto akuter Stoffwechselkomplikationen. Für Colhoun ist eine bessere Blutzuckerkontrolle damit das Erste, was es anzupacken gilt. Außerdem sollte die psychologische Unterstützung nicht außer Acht gelassen, mehr Insulinpumpen genutzt, kardiovaskuläre Risikofaktoren gesenkt und die Rate an Rauchern unter den Diabetikern reduziert werden.

Quelle: H. Colhoun and S. Liningstone, Life expectancy in type 1 diabetes: a Scottisch registry Linkage study, EASD-Kongress in Barcelona.

springermedizn.de, Ärzte Woche 44/2013

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben