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Pulmologie 21. Oktober 2013

Alternativ nur aus Not?

Viele Asthmapatienten nutzen Komplementär- und Alternativmedizin. Nicht selten zeigt dies an, dass ihre Beschwerden durch die Basistherapie nicht unter Kontrolle sind.

Atemübungen, Phytomedizin, Homöopathie – wie andere chronisch kranke Patienten auch, greifen Asthmatiker nicht selten auf Verfahren der Komplementär- und Alternativmedizin (CAM) zurück. Dagegen spricht wenig, so lange es die indizierte Therapie und den Krankheitsverlauf nicht beeinträchtigt.

Forscher der University of British Columbia in Vancouver haben in einer populationsbezogenen Studie untersucht, wie häufig Asthmatiker von CAM-Methoden Gebrauch machen und wie dies mit der Kontrolle des Asthmas zusammenhängt.

Zu beachten ist, dass in dieser Untersuchung, wie im angelsächsischen Sprachraum üblich, nicht streng zwischen komplementärer und alternativer Medizin unterschieden wird.

Atemübungen an der Spitze

486 Asthmapatienten, durchschnittlich 52 Jahre alt, wurden danach gefragt, ob sie während der vergangenen zwölf Monate CAM genutzt hatten. 36,8 Prozent antworteten darauf mit Ja. 17,7 Prozent machten Atemübungen, 10,1 Prozent schluckten Phytotherapeutika und 9,1 Prozent Vitamine. Auf den Plätzen folgten Diäten (8,3 Prozent), Chiropraktik (5,4 Prozent), Akupunktur (4,5 Prozent), Naturheilkunde (3,5 Prozent) und Homöopathie (3,3 Prozent). Andere Verfahren schlugen mit zusammen 16,3 Prozent zu Buche.

Alle Störgrößen einberechnet, waren zwei Faktoren mit einer höheren Wahrscheinlichkeit assoziiert, CAM einzusetzen: weibliches Geschlecht (Odds Ratio OR 1,66) und unkontrolliertes Asthma (OR 2,25). Ein Zusammenhang zwischen der Anwendung respektive Nichtanwendung von Standardmedikation mit dem CAM-Gebrauch bestand aber nicht – und damit auch kein Hinweis auf CAM als Alternativmedizin im Wortsinn.

CAM als Zeichen für Unzufriedenheit?

Dennoch weisen die Autoren der Studie darauf hin, dass der Einsatz komplementärer oder alternativer Medizin von zweifelhaftem Nutzen und zumindest potenziell mit Nebenwirkungen und Arzneiinteraktionen behaftet sei.

Ärzte sollten sich auf alle Fälle der CAM-Therapie ihrer Patienten bewusst sein und auch verstehen, warum diese sich solcher Behandlungsformen bedienten. Im Griff zu Komplementär-Alternativem drücke sich womöglich eine Unzufriedenheit mit der herkömmlichen Therapie aus – was für den behandelnden Arzt ein Grund sein sollte, das Asthmamanagement kritisch zu prüfen.

Originalpublikation: Chen W et al.: BMJ Open 2013; doi:10.1136/bmjopen-2013-003360

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