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Einen Versuch ist es Wert.
 
Gastroenterologie 17. Oktober 2013

Diarrhö-betonter Reizdarm

Vielleicht ist doch ein bisschen Zöliakie dabei? Glutenfreie Diät ist jedenfalls einen Therapieversuch wert.

Die Prävalenz der Zöliakie ist bei Patienten mit Diarrhö-betontem Reizdarmsyndrom zwar nicht höher als bei gesunden Kontrollpersonen. Dennoch machen manche IBS-Patienten gute Erfahrungen mit einer glutenfreien Diät. Spielt die Glutenunverträglichkeit vielleicht doch eine gewisse Rolle?

Um diese Frage zu beantworten und den Effekt einer glutenfreien Diät bei Patienten mit Diarrhö-betontem Reizdarmsyndrom (Diarrhea-predominant Irritable Bowel Syndrome, IBS-D) zu überprüfen, führten Forscher der Mayo Clinic, Rochester, eine Studie durch.

Patienten und Methodik

45 IBS-D-Patienten wurden über vier Wochen hinweg in eine randomisierte kontrollierte Studie zum Effekt einer glutenfreien Diät einbezogen. Neben einer Genotypisierung zur Untersuchung auf HLA-DQ2 und HLA-DQ8 erfolgten tägliche Messungen der Darmfunktion, des Dünn- und Dickdarmtransits, der mukosalen Permeabilität und der Zytokinausschüttung peripherer mononukleärer Blutzellen nach Exposition gegenüber Gluten und Reis. Bei 28 Patienten wurden auch Biopsien aus dem Rektosigmoid entnommen und darin die mRNA zur Kodierung des Tight junction-Proteins sowie immunohistochemische Analysen durchgeführt.

Ergebnisse

Bei den 23 Personen unter glutenfreier Diät ging die Zahl der täglichen Darmentleerungen von durchschnittlich 2,6 auf 1,9 zurück und lag am Ende der vierwöchigen Studie signifikant unter der Zahl von Entleerungen bei den 22 Personen unter glutenhaltiger Diät. Die glutenhaltige Diät hatte bei den HLA-DQ2/8-positiven Probanden einen deutlich größeren Effekt auf die Zahl der Darmentleerungen als bei den HLA-DQ2/8-negativen.

Glutenhaltige Ernährung ging auch mit einer höheren Permeabilität des Dünndarms und einem geringfügigen Rückgang der Expression der Zonula occludens 1 in der Dünndarmmukosa einher, hatte jedoch keinen signifikanten Effekt auf den intestinalen Transit oder die histologischen Befunde. Unabhängig vom Genotyp kam es durch die Exposition von Gluten im Vergleich zu Reis zu einer höheren Ausschüttung von Interleukin-10, GCSF und Wachstumsfaktor-alpha in den mononukleären Zellen der Patienten.

Kommentar

„Die Zahl der histologischen, mikrobiologischen, zytokinetischen, neurohistologischen und neurofunktionellen Untersuchungen und Befunde an der Mukosa, an den nervalen Plexus und im Darmlumen bei IBS-Patienten ist enorm und kaum noch übersehbar“, sagt dazu Prof. Dr. Hermann Füeßl vom Klinikum München Ost. „Dazu gesellen sich eine Fülle von neurobiologischen und psychologischen Daten.“ Für die Betreuung von Patienten mit den verschiedenen Typen des IBS in der Praxis hätten die meisten dieser Befunde vorläufig noch keine Bedeutung. Trotz vieler Unklarheiten könne man aus der vorliegenden Untersuchung aber den Schluss ziehen, es bei Patienten mit Diarrhö-betontem IBS doch einmal mit einer glutenfreien Diät zu versuchen. „Wenn die Zahl der Entleerungen zurückgeht, ist uns der dahinter stehende Mechanismus nicht mehr so wichtig“, meint Füeßl.

Originalpublikation: Vazquez-Roque MI et al.: A controlled trial of gluten-free diet in patients with irritable bowel syndrome-diarrhea: effects on bowel frequency and intestinal function; Gastroenterology 2013; 144 (5) : 903–911

springermedizin.de/CL, Ärzte Woche 42/2013

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