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Schwangerschaftsproblem Inkontinenz

Was vorbeugt und was man sich sparen kann.

Harninkontinenz ist ein häufiges Problem während der Schwangerschaft. Damit steigt auch die Gefahr späterer Inkontinenz. Eine norwegisch-dänische Studie hat untersucht, wie Schwangere einer Inkontinenz vorbeugen können.

Für ihren Übersichtsartikel haben die Autoren die einschlägige Literatur in puncto Harninkontinenz und Schwangerschaft gesichtet. Ihren Erkenntnissen nach machen 17 bis 54 Prozent der Frauen während einer Schwangerschaft erstmals Bekanntschaft mit einer Harninkontinenz. Die Gesamtprävalenz wird mit bis zu 67 Prozent angegeben. Postpartum liegt die Inzidenz laut den Angaben der beiden Wissenschaftler bei 5 bis 21 Prozent, die Prävalenz bei 15 bis 45 Prozent. Bei zwei von drei Frauen mit Harninkontinenz beginnen die Beschwerden vor oder nach einer Schwangerschaft.

Vor der Schwangerschaft

Wesnes und Lose haben einige Hinweise darauf gefunden, wie man einer Inkontinenz bereits vor der Schwangerschaft vorbeugen kann. Dazu zählt der Verzicht aufs Rauchen. Auch sollten Frauen versuchen, ein normales Gewicht zu halten. Und man sollte mit dem Kinderkriegen nicht zu lange warten, da pro Jahr ein Prozent der quergestreiften Muskulatur an der Urethra verloren geht.

Während der Schwangerschaft

Stuhlverstopfung und das damit verbundene Pressen beim Stuhlgang wirken sich negativ auf das Inkontinenzrisiko aus und sollten daher vermieden werden. Dass Schwangere nicht rauchen sollten, leuchtet schon aus anderen Gründen ein, senkt aber auch die Inkontinenzgefahr. Nützlich ist es, sich einige Male pro Woche mit leichter Intensität körperlich zu betätigen. Empfohlen wird auch ein Beckenbodentraining. Keine begründbaren Ratschläge, jedenfalls hinsichtlich des Auftretens einer Inkontinenz, gibt es zum Kaffeekonsum, zum Husten mit überkreuzten Beinen, zum Blasentraining, zur Restriktion der Gewichtszunahme während der Schwangerschaft und zu Perinealmassagen.

Während der Geburt

Als einzige Maßnahme, die während des Geburtsvorgangs helfen kann, späterer Inkontinenz vorzubeugen, haben sich perineale Wärmepackungen erwiesen. Alle anderen Vorschläge – etwa zum Pressen, zur Dauer der zweiten Gebärphase, zum Einsatz oder Nichteinsatz epiduraler Analgesie, zum Thema „Dammschnitt oder nicht“, zur Lagerung, zum Einsatz von Zangen oder Saugglocken – werden von Wesnes und Lose als nicht verlässlich eingestuft. Auch der Kaiserschnitt kann laut den beiden Forschern nicht zu dem Zweck empfohlen werden, künftige Harninkontinenz zu vermeiden.

Nach der Schwangerschaft

Ist das Kind erst einmal auf der Welt, sollte die Mutter ein Beckenbodentraining betreiben, auch wenn sich aus der Literatur keine Hinweise darauf ergeben, welches sich am besten eignet.

Gewichtsreduktion und das Vermeiden von Verstopfung sollen das Inkontinenzrisiko senken. Der Einsatz von Vaginalkegeln oder Elektrostimulation zur Stärkung des Beckenbodens wird hingegen nicht empfohlen.

Originalpublikation: Wesnes SL et Lose G.: Int Urogynecol J 2013; 24: 889–899

springermedizin.de, Ärzte Woche 41/2013

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