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Hepatologie 13. September 2013

Würzen gegen Hepatitis C

Curcumin hindert Hepatitis-C-Viren am Eintritt in Leberzellen.

Das Gewürz Curcuma aus der Gelbwurzel ist aus der indischen Küche nicht wegzudenken – vermutlich, weil die Menschen schon seit Jahrhunderten um seine verdauungsfördernde Wirkung wissen. Der Farbstoff Curcumin wirkt zudem krebshemmend. Wissenschaftler in Hannover haben nun nachgewiesen, dass Curcumin auch gegen Hepatitis-C-Viren (HCV) wirkt: Der gelbe Farbstoff hindert die Viren daran, in die Leberzellen einzudringen.     

„Eine chronische Leber-Infektion mit HCV ist inzwischen die häufigste Ursache für Lebertransplantationen“, erklärt Dr. Eike Steinmann. Besonders problematisch ist die Zeit nach der Transplantation, denn die transplantierte Leber wird durch Virenreservoirs im Körper schnell wieder mit HCV infiziert. Diese Reinfektion zu verhindern, ist eine große klinische Herausforderung.

„In meiner Heimat essen die Menschen Gelbwurzel, wenn sie Leberbeschwerden haben“, erzählt der aus Indonesien stammende Wissenschaftler Anggakusuma vom Institut für Experimentelle Virologie. „Das hat uns dazu angeregt, nach der Wirkung des Curcumin auf ein leberspezifisches Virus zu schauen.“ Mit Erfolg: In Zellkulturen verhindert Curcumin den Eintritt von HCV in Leberzellen, indem es die Flexibilität der Virenhülle verändert. Außerdem hemmt es den Übergang der Viren von einer Leberzelle zur nächsten. "Daraufhin haben wir Curcumin in Kombination mit den auf dem Markt befindlichen Medikamenten gegen HCV getestet und in Zellkulturen eine deutliche stärkere antivirale Wirkung der Kombination im Vergleich mit den einzeln verabreichten Medikamenten beobachtet." Und auch die Kombination aus Curcumin und grünem Tee - von dem Eike Steinmann bereits 2011 nachweisen konnte, dass sein Inhaltsstoff Epigallocatechin-3-gallat den Eintritt von HCV in Leberzellen hemmt - ist deutlich wirkungsvoller, als Curcumin oder grüner Tee allein.


Wird mit Curcuma gewürzter grüner Tee nun das Standardgetränk auf der Transplantations-Station? "Die Ergebnisse machen natürlich Mut", sagt Eike Steinmann, aber Curcumin hat auch einen Nachteil: seine geringe Bioverfügbarkeit. Der Farbstoff wird im Organismus sehr schnell abgebaut. Indonesische Partner arbeiten deshalb an neuen Formulierungen. Sie stellen Nanokristalle aus Curcumin her, die eine deutlich höhere Verweildauer im Körper haben als das normale Gewürzpulver.

     

Anggakusuma et al.: Gut 2013; doi: 10.1136/gutjnl-2012-304299

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