zur Navigation zum Inhalt
© Péter Gudella/shutterstock
Nach Einnahme von Placebo waren die Probandinnen weit weniger angeekelt beim Anblick von Spinnen, Blut oder Fäkalien.
 

Versteckte Kraft

Angst und Ekel können mit Placebo deutlich reduziert werden.

Fäkalien, Spinnen, Blut: Abwehrreaktionen auf diese Top 3 der Ekelerreger sind natürlich. Wenn sich die Abscheu aber mit Angst verbindet und exzessive Ausmaße annimmt, kann das zu einer verminderten Lebensqualität und mitunter auch zu psychischen Störungen führen. Eine Studie des Instituts für Psychologie der Karl-Franzens-Universität Graz zeigt nun, dass der Schlüssel zur Überwindung von Angst und Ekel im Gehirn sitzt.     

34 Frauen mit überdurchschnittlicher Ekelempfindlichkeit wurde offiziell Angostura, ein altes südamerikanisches Heilmittel gegen Übelkeit und Erbrechen, verabreicht – tatsächlich enthielten die Pillen aber Kieselerde. Dennoch empfanden alle Teilnehmerinnen nur mehr halb so intensive Abscheu wie vor der vermeintlichen Angostura-Therapie. „Wir konnten eindeutige Veränderungen der Gehirnaktivität und des Zusammenspiels einzelner Gehirnareale feststellen“, berichtet Prof. Dr. Anne Schienle. Auch visuelle Verarbeitungsregionen seien betroffen gewesen. „Die Probandinnen haben die vorgeführten Ekel-Bilder tatsächlich anders gesehen.“ Schienles Fazit: Präzise Placebos könnten als erster Schritt in Psychotherapien eingesetzt werden.

Schienle A et al.: Soc Cogn Affect Neurosci 2013; doi: 10.1093/scan/nst072

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben