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Prüfung von kognitiven Funktionen.
 
Kardiologie 1. Juli 2013

Hirnleistung

Vorhofflimmern beschleunigt kognitiven Abbau.

Vorhofflimmern beschleunigt anscheinend die Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit. Patienten mit dieser Herzrhythmusstörung erreichen die Schwelle zu kognitiven Defiziten oder Demenz früher als Personen ohne Vorhofflimmern, so das Ergebnis einer neuen Studie.

Dass Vorhofflimmern mit einem erhöhten Risiko für kognitive Funktionseinbußen assoziiert ist, ist keine neue Entdeckung. Nach Ergebnissen einer kürzlich publizierten Metaanalyse von 21 Studien (Ann Intern Med 2013; 158: 338-346) scheint Vorhofflimmern die kognitive Leistungsfähigkeit aber auch dann zu beeinträchtigen, wenn sich kein Schlaganfall ereignet hat.

In eine Post-hoc-Analyse von Daten der ONTARGET- und der TRANSCEND-Studien waren mehr als 31.500 Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen oder Diabetes eingeschlossen, beide Studien prüften primär die Wirksamkeit von Telmisartan zur Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse. Die kognitiven Fähigkeiten der Studienteilnehmer wurden mithilfe des MMSE-Tests (Mini-Mental Status Examination) bestimmt.

Höheres Demenz-Risiko

Dieser Analyse zufolge war die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken, bei Patienten mit Vorhofflimmern relativ um 30 Prozent höher als in der Vergleichsgruppe ohne entsprechende Arrhythmie.

Das Risiko, im Follow-up-Zeitraum in einer Pflegeeinrichtung versorgt werden zu müssen, weil die Aktivitäten des täglichen Lebens nicht mehr ohne Hilfe bewältigt werden konnten, war bei Patienten mit Vorhofflimmern um 53 Prozent erhöht – unabhängig vom Auftreten eines Schlaganfalls.

Bestätigung durch neue Studie

Bestätigt werden diese Ergebnisse nun durch Daten einer epidemiologischen Studie (Cardiovascular Health Study), deren Teilnehmer (n = 5150) über 65 Jahre alt waren (mittleres Alter: 73 Jahre) und zu Beginn weder Vorhofflimmern noch einen Schlaganfall in ihrer Vorgeschichte hatten (Thacker EL, McKnight B, Psaty BM, et al. Neurology 2013; DOI:10.1212/ WNL.0b013e31829a33d1, online publiziert am 5. Juni 2013). Zur Erfassung ihrer kognitiven Leistungsfähigkeit unterzogen sie sich jährlich einem modifizierten Mini-Mental-Status-Test (3MSE mit 100-Punkte-Scala).

Im Zeitraum von sieben Jahren entwickelte jeder zehnte Teilnehmer (10,7 Prozent) ein Vorhofflimmern. Bei davon betroffenen Personen verlief der Abbau kognitiver Fähigkeiten – gemessen am Abfall des 3MSE-Punkte-Scores über die Zeit – rascher als bei Personen ohne diese Arrhythmie.

So ließ sich nach Berechnungen der Forscher beispielsweise bei Teilnehmern, die 80 Jahre alt waren, bis zum 85. Lebensjahr im Schnitt ein Abfall um 6,4 Score-Punkte vorhersagen. Bei Teilnehmern mit Vorhofflimmern betrug der Rückgang des 3MSE-Scores in den gleichen fünf Lebensjahren dagegen im Schnitt 10,3 Punkte – ein absoluter Unterschied um 3,9 Punkte.

Zwei Jahre früher an der Schwelle zur Demenz

Das würde bedeuten, dass Patienten mit Vorhofflimmern das Stadium kognitiver Einschränkungen oder einer Demenz früher erreichen. In der Tat waren jene Teilnehmer mit Vorhofflimmern, die einen 3MSE-Score von 78 Punkten und damit die Schwelle zur Demenz erreichten, zu diesem Zeitpunkt im Schnitt zwei Jahre jünger als entsprechende Teilnehmer ohne Arrhythmie (85 versus 87 Jahre). Da Personen mit aufgetretenem Schlaganfall von der Analyse ausgeschlossen blieben, scheidet dieses klinische Ereignis als Erklärung für den beschleunigten geistigen Abbau aus.

Die Studienautoren um Dr. Evan Thacker aus Birmingham im US-Bundesstaat Alabama vermuten deshalb, dass subklinische embolische Hirninfarkte Triebkraft der rascheren Abnahme von kognitiven Fähigkeiten sein könnten.

 

springermedizin.de/ob, Ärzte Woche 27/2013

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