zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 5. Juni 2013

Alzheimer-Medikamente schützen vor Infarkt und Tod

Deutliche Reduktion des Herz-Kreislauf-Risikos und der Mortalität.

Seit Jahren werden sogenannte Cholinesterasehemmer - nicht immer unumstritten in ihrer Wirkung - zu Behandlung der Symptome von milder bis moderater Alzheimerdemenz eingesetzt. Jetzt zeigt sich, dass die Medikamente wie Donepezil, Rivastigmin und Galantamin auch einen deutlichen Schutzeffekt bezüglich Herzinfarkt Co. haben sowie die Mortalität senken. Sie senken das Risiko im Durchschnitt um rund 30 Prozent, geht aus einer neuen schwedischen Studie hervor.

 

Langzeitbeobachtung

Die Untersuchung von Peter Nordström von der Universität Umea in Schweden geht auf die Langzeitbeobachtung von 7.073 Alzheimer-Patienten zwischen Mai 2007 und Dezember 2010 zurück. Die Ergebnisse wurden am Mittwoch im "European Heart Journal" publiziert. Cholinesterasehemmer blockieren den Abbau des stimulierenden Nervenbotenstoffs Acetylcholin. Das wirkt sich positiv auf die Symptome der Alzheimerdemenz aus und kann das Fortschreiten der Erkrankung verzögern.

Laut den Wissenschaftern zeigte sich bei der Analyse der Daten der mehr als 7.000 Patienten, dass sie - so sie solche Arzneimittel einnahmen - eine um 36 Prozent geringere Gesamtmortalität aufwiesen. Gleichzeitig hatten sie ein um 38 Prozent reduziertes Risiko für einen Herzinfarkt und erkrankten zu etwa ein Viertel seltener an einem Schlaganfall oder an einer anderen akuten Herz-Kreislauf-Komplikation. Darüber hinaus: Jene Patienten, die wegen ihrer Alzheimer-Erkrankung die höchsten Dosierungen an den Arzneimitteln einnahmen, hatten um 65 Prozent weniger Myokardinfarkte, die Todesfälle gingen um 46 Prozent zurück.

Obwohl international mit Milliardenaufwand nach neuen und besseren Alzheimer-Medikamenten geforscht wird, gibt es vorläufig keine wirksameren Medikamente als Cholinesterasehemmer. Trotzdem kamen die Arzneimittel immer wieder in Kritik vor allem durch gesundheitsökonomisch ausgerichtete Experten. Sie sind aber das Standbein jeder medikamentösen Alzheimer-Therapie. Interessant: Memantine, eine anderes Alzheimer-Medikament, das einen anderen Wirkungsmechanismus besitzt und das vor allem bei Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung eingesetzt wird, besitzt diesen zusätzlichen Schutzeffekt offenbar nicht. Man nimmt an, dass die protektive Wirkung der Cholinesterasehemmer vor allem auf eine mit ihnen verbundene Senkung der Pulsrate zurückzuführen ist.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben