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Onkologie 22. April 2013

Gebräuchliche Schmerzmittel erhöhen das Nierenkrebsrisiko

Dosisabhängige Risiko-Steigerung unter Paracetamol und NSAR.

Immer mehr Studien attestieren insbesondere ASS, aber auch anderen NSAR eine krebsvorbeugende Wirkung, unter anderem gegenüber Karzinomen des Kolorektums, der Brust und der Prostata. Ein Schutz vor Nierenkrebs lässt sich jedoch nicht feststellen. Die meisten Analgetika scheinen das Erkrankungsrisiko sogar zu fördern, wie eine Metaanalyse jetzt ergeben hat.

Die Analyse fußt auf Daten von 20 Studien aus Nordamerika, Europa und Australien, davon zwölf Fall-Kontroll-Studien mit 7.075 Erkrankten und 579.285 Kontrollen und acht Kohortenstudien mit 1.165 Erkrankten unter 579.285 Teilnehmern. Danach ist die gelegentliche oder regelmäßige Anwendung von Paracetamol, die in 14 Studien ausgewertet wurde, mit einem Anstieg des Nierenkrebsrisiko um 28 Prozent verbunden. Höhere Dosierungen gingen mit einem höheren Risiko einher (plus 68%).

Anwender von NSAR ohne ASS – sie wurden in fünf Studien untersucht – hatten insgesamt eine um 25 Prozent erhöhte Nierenkrebsrate. Auch hier zeigte sich eine Dosis-Wirkungs-Beziehung mit einer Steigerung der Krebsrate um 56 Prozent bei Einnahme hoher Dosen. Wurden nur Studien verwendet, in denen eine Adjustierung für andere Risikofaktoren für Nierenkrebs, nämlich Übergewicht und Rauchen, stattgefunden hatte, dann war der Zusammenhang zwischen jeglicher Behandlung mit Paracetamol bzw. NSAR und Nierenkrebs sogar noch deutlicher, mit einer Steigerung um 23 bzw. 38 Prozent.

ASS ohne Einfluss

Die Einnahme von ASS hatte in 13 Studien insgesamt keinen Einfluss auf die Nierenkrebsrate. Auch die Anwendung von höheren Dosierungen oder über längere Zeit bewirkte keine signifikante Risikozunahme. Ein signifikanter Anstieg um 17 Prozent zeigte sich jedoch, wenn nur die außerhalb der USA durchgeführten Studien berücksichtigt wurden. Möglicherweise wurde ASS in diesen Studien öfter in Form von Kombinationspräparaten mit anderen Analgetika eingenommen, spekulieren die Studienautoren um Dr. Toni K. Choueiri vom Brigham and Women’s Hospital and Harvard Medical School in Boston.

Die US-Ärzte raten, die erhöhte Nierenkrebsrate unter Paracetamol und NSAR im Alltag zu berücksichtigen: „Auch wenn Nierenkrebs relativ selten ist, sollten Risiken und Nutzen vor dem Gebrauch dieser Analgetika sorgfältig abgewogen werden.“ Auf welche Weise die Analgetika Einfluss auf die Krebsentstehung nehmen, ist noch weitgehend unklar. Bei Paracetamol könnte eine Rolle spielen, dass es sich um einen Metaboliten des nachweislich karzinogen wirkenden Phenacetins handelt, so die Autoren. NSAR würden möglicherweise die Karzinogenese anstoßen, indem sie subakute Nierenschäden setzen.

Dass unter ASS trotz dieser Gefahr nicht mehr Nierenkrebs festgestellt wurde, hänge möglicherweise damit zusammen, dass es häufig nur in niedriger Dosierung für kardiale Indikationen eingesetzt wird.

Originalpublikation: Choueiri TK et al.: Int J Cancer 2013, online 7. Februar 2013; doi: 10.1002/ijc.28093

springermedizin.de, Ärzte Woche 17/2013

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