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SpeicherMichael0413n

Prof. Dr. Michael Speicher
Institut für Humangenetik, MedUni Graz

 

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Prof. PD Dr. Jochen Geigl
Institut für Humangenetik, MedUNi Graz

(c) MedUni Graz (2)
 
Urologie 8. April 2013

Neues Diagnoseverfahren für Prostatakrebs

Erstmals nicht-invasive Befundung möglich.

 
Ein Interdisziplinäres Forscherteam der Medizinischen Universität Graz unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Speicher und Prof. Dr. Jochen Geigl vom Institut für Humangenetik hat in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf die „liquid biopsy“, ein neues nicht-invasives Diagnoseverfahren zur Erkennung von wiederkehrenden bzw. metastasen-bildenden Prostatakrebserkrankungen erforscht.

 

Mit der neuen Methode soll eine frühzeitige Befundung der weit verbreiteten Krebserkrankung auf kostengünstige und für den Patienten möglichst schonende Art und Weise erreicht werden.


Jährlich 2,6 Millionen Neuerkrankungen innerhalb von Europa

Der Prostatakrebs ist eine bösartige Tumorerkrankung ausgehend vom Drüsengewebe der Prostata und zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen des Mannes. Allein in Europa werden jährlich 2,6 Millionen Neuerkrankungen diagnostiziert. Innerhalb der Gruppe der an Krebs verstorbenen Männer ist er für etwa zehn Prozent der Todesfälle verantwortlich und stellt damit die dritthäufigste tödliche Krebserkrankung nach Lungen- und Darmkrebs dar. Daher ist eine geeignete Maßnahme zur frühzeitigen Diagnose dieser Krankheit von großer Bedeutung.

„liquid biopsy“ zur nicht-invasiven Diagnose von Prostatakrebs

Durch das Verfahren der „liquid biopsy“ ist es möglich, metastasen-bildende oder wiederkehrende Prostatakrebserkrankungen nicht-invasiv und in kostengünstiger Art und Weise zu befunden. Die Untersuchung liefert eine detaillierte Genanalyse inklusive der für die Krebserkrankung verantwortlichen Gene. Eine solche Genanalyse ist bislang nur durch eine Gewebebiopsie, also durch eine Punktion des Tumorgewebes möglich. Eine Gewebebiospie ist aber ein invasives Verfahren, das für den Patienten oft eine belastende und schmerzliche Untersuchung darstellt. Im Gegensatz dazu wird bei der „liquid biopsy“ nur eine Blutprobe benötigt. Aus dem zellfreien Anteil des Blutes, dem so genannten Plasma, wird das Erbgut isoliert und analysiert. Weil absterbende Tumorzellen ihr Erbgut in die Blutzirkulation abgeben, können mit entsprechenden Computeralgorithmen Charakteristika des Tumorgenoms aus dem Blut errechnet und das Tumorgenom rekonstruiert werden. Aufgrund der Möglichkeit der nicht-invasiven Diagnostik kann die Untersuchung auch zu gegebenen Zeitpunkten leicht wiederholt werden, um Änderungen der für die Krebserkrankung verantwortlichen Gene zu erfassen. Solche Änderungen können beispielsweise Resistenzen gegen eine verabreichte Therapie anzeigen, sodass behandelnde Kliniker frühzeitig wissen, wann eine Therapie umgestellt werden sollte.


„liquid biopsy“ als Alternative zur herkömmlichen Biopsie

Die Forscher sind sich einig, dass die „liquid biopsy“ neben der herkömmlichen Biopsie ein geeignetes Diagnoseverfahren darstellt, wobei die Vorteile der „liquid biopsy“ klar auf der Hand liegen. „Die einfache Anwendung sowie die geringen Kosten der „liquid biopsy“ machen aus diesem genetischen Testverfahren eine geeignete Alternative zur herkömmlichen Biopsie. Die detaillierten genetischen Informationen, welche aus dieser Untersuchung gewonnen werden können, erlauben auch weiterführende Informationen zur geeigneten Behandlung der Prostatakrebserkrankung, besonders bei aggressiven Formen der Krankheit“, so Prof. Michael Speicher und Dr. Jochen Geigl unisono.

Publikation:

“Tumor associated copy number changes in the circulation of patients with prostate cancer identified through whole-genome sequencing”: Genome Medicine, doi:10.1186/gm434,
http://genomemedicine.com/content/5/4/30/abstract

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