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Bei chronischen Appendizitiden ist die Symptomatik häufig atypisch.
 
Innere Medizin 18. März 2013

Fallbericht: Jahrelange rezidivierende Bauchschmerzen

Bei Beschwerden im rechten unteren Quadranten sollte auch an eine Appendizitis gedacht werden.

Chronische Appendizitiden werden wegen der atypischen Symptomatik leicht verkannt – so wie im Fall einer jungen Frau, die über zwei Jahre hinweg immer wieder an unklaren Bauchschmerzen litt.

Die 28-Jährige stellte sich wegen seit drei Tagen bestehender zunehmender Bauchschmerzen im rechten unteren Quadranten vor. Begonnen hatten die Beschwerden mit einem stechenden Schmerz im rechten Abdomen, der in den Rücken ausstrahlte. Die Frau erinnerte sich an kein auslösendes Ereignis und verneinte Symptome wie Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Beschwerden beim Wasserlassen, Blut im Urin und vaginalen Ausfluss. Bei der weiteren Befragung stellte sich heraus, dass die Patientin in den letzten zwei Jahren bereits sechs ähnliche Bauchschmerz-Episoden durchgemacht hatte. Mehrere ärztliche Untersuchungen waren ergebnislos geblieben, nur einmal war wegen des Verdachts auf einen Harnwegsinfekt mit Antibiotika behandelt worden. In allen Fällen waren die Schmerzen nach drei bis vier Tagen wieder verschwunden.

Bei der aktuellen Vorstellung war die Patientin fieberfrei, der Bauch war weich ohne peritoneale Zeichen und ohne tastbare Raumforderung, es bestand lediglich eine leichte Druckempfindlichkeit im rechten unteren Quadranten. Das Labor ergab eine stark erhöhte Leukozytenzahl (61.000/µl) und eine beschleunigte Blutsenkung (30 mm/h). Ein transvaginaler Ultraschall war unauffällig. Wegen des wiederholten Auftretens der Symptome wurde ein kontrastmittelverstärktes Computertomogramm (CT) angefertigt. Dabei zeigte sich eine vergrößerte Appendix ohne Hinweise auf einen Abszess oder eine Flüssigkeitsansammlung. Die nachfolgend durchgeführte laparoskopische Appendektomie förderte einen fibrotischen und vergrößerten Wurmfortsatz mit Verwachsungen zutage – und bestätigte damit den Verdacht auf eine chronische Entzündung. Die Patientin war nach dem Eingriff dauerhaft beschwerdefrei.

Chronischer Verlauf bei etwa 1,5 Prozent

„Diese Kasuistik soll Ärzte daran erinnern, dass eine Appendizitis spontan verschwinden und wieder auftreten kann“, schreiben die Autoren um Dr. Shenil Shah vom Milton S. Hershey Medical Center in Pennsylvania, USA. Daher müsse eine Appendizitis in die differenzialdiagnostischen Überlegungen einbezogen werden, vor allem dann, wenn Patienten immer wieder von Bauchschmerzen im rechten unteren Quadranten heimgesucht werden. Shah und seine Kollegen schätzen, dass etwa 1,5 Prozent aller Appendizitiden einen chronischen Verlauf nehmen.

Als Ursache wird eine partielle und vorübergehende Verlegung der Appendix, wie z. B. durch Kotsteine, angenommen. Weil die Symptome in der Regel atypisch seien, würden sie insbesondere bei sexuell aktiven Frauen häufig fehlinterpretiert. Bei starkem klinischem Verdacht empfehlen Shah et al. die Abklärung durch eine Computertomografie und im Fall der Bestätigung die zeitnahe Überweisung zur Operation. Zwar sei die chronische Appendizitis nicht als chirurgischer Notfall einzustufen, sie gehe aber mit einem Risiko für eine Abszessbildung und bei Frauen auch für Infertilität einher.

 

Originalpublikation: Shah SS et al. The American Journal of Medicine 2012

springermedizin.de/KK, Ärzte Woche 12/2013

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