zur Navigation zum Inhalt
© psdesign1 / fotolia.com
Ruhig mit dem Sport Zeit lassen.
 
Orthopädie 11. März 2013

Nach Kreuzbandoperation erst einmal kein Sport

Eine frühe Belastung nach dem Eingriff kann Kniearthrose fördern.

„Vor allem: kein Sport“ soll Winston Churchill auf die Frage geantwortet haben, wie er es geschafft habe, alt zu werden. Für Patienten nach Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes scheint dieser Rat zumindest während des ersten halben Jahres nach der Operation beherzigenswert zu sein. Ohne Kniearthrose älter zu werden, könnte sonst schwierig werden, wie die Ergebnisse einer belgischen Studie zeigen.

Spezialisten für Rehabilitationsmedizin und physikalische Therapie um Ans Van Ginckel von der Universität Gent haben 15 Patienten sechs Monate nach isolierter Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes (VKB) und 15 Kontrollpatienten in einen Magnetresonanztomografen geschoben. Die Bilder sollten Aufschluss über die morphologischen Merkmale, die biochemische Zusammensetzung und die Funktion – vor allem die Elastizität – des Knieknorpels geben. Dazu gehörte auch eine Reihe von Aufnahmen, die unmittelbar sowie 15, 30 und 45 Minuten nach einem halbstündigen Dauerlauf angefertigt wurden.

Hinsichtlich der Morphologie zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. Tendenziell aber fanden sich nach VKB-Rekonstruktion höhere Messwerte für Volumen und Dicke. Zudem fanden sich Anzeichen für Kollagenzerreißung und daraus resultierende Wasseransammlung im Knorpel. Die Parameter, die eine Erholung des Knorpels nach der Laufbelastung anzeigten, fielen bei den VKB-Patienten ebenfalls deutlich schlechter aus.

Schlechtere Qualität und Elastizität des Knorpels

Damit wiesen die am Kreuzband Operierten sechs Monate nach dem Eingriff im Vergleich zu den Kontrollpersonen eine verminderte Knorpelqualität und -elastizität auf – und ein entsprechend hohes Risiko, eine Arthrose zu entwickeln. Besonders auffällig war dies bei jenen Patienten, die bereits binnen fünf Monaten nach dem Eingriff wieder sportlich aktiv geworden waren. Als nachteilig stellten sich auch Bandrekonstruktionen heraus, die schon innerhalb von zehn Wochen nach der Ruptur erfolgt waren. Der Knieknorpel solcher Patienten erholte sich langsamer von der Laufbelastung, als dies bei später Operierten der Fall war.

Wenigstens in den ersten fünf Monaten nach der Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes sollten sich Patienten also besser an das Churchill zugeschriebene No-sports-Zitat halten – auch wenn es vermutlich erfunden ist. Für die Ärzte halten die Studienresultate die Lehre bereit, nicht zu früh nach der Ruptur zu operieren, sondern erst die entzündlichen Veränderungen sowie die Knochenmarksläsionen nach dem Trauma abklingen zu lassen. Oft werde nämlich das vordere Kreuzband zügig wiederhergestellt, um fortschreitende Schäden an Knorpel oder Meniskus zu vermeiden, schreiben die Wissenschaftler.

Originalpublikation: Van Ginckel A et al. Am J Sports Med 2013, online 4. Februar; doi: 10.1177/0363546512473568

springermedizin.de/KK, Ärzte Woche 10/2013

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben