zur Navigation zum Inhalt
© Bilder der Forschung / dpa / ACH
Prostatakrebszelle im Rasterelektronenmikroskop.
 
Onkologie 25. Februar 2013

Wachstumsstopp für Prostatakrebs

Die Hemmung des Enzyms LAC (lösliche Adenylylcyclase) führte im Zellkulturexperiment zu einer unterdrückten Tumorzellteilung.

Ein bislang kaum untersuchter Signalweg ist entscheidend für das Wachstum und die Vermehrung von Prostatakrebszellen.

Dies entdeckte ein internationales Forscherteam, als es das Enzym LAC (lösliche Adenylylcyclase), das den Botenstoff cAMP herstellt, unter die Lupe nahm. Wurde das Enzym gehemmt, teilten sich die Krebszellen kaum noch. Die Ergebnisse dieser Studie werfen ein neues Licht auf die Regulation der Zellteilung und die Tumorentstehung.

cAMP entsteht nicht nur in der Zellmembran

Zyklisches AMP, kurz cAMP, ist ein Botenstoff, der viele Prozesse vom Zellwachstum bis zum Zelltod steuert. Ein Enzym in der Zellmembran stellt das Molekül her. Dort wirkt es zum Beispiel auf Ionenkanäle oder andere Enzyme, die in der Membran verankert sind. Der Botenstoff beeinflusst aber auch Prozesse im Zellkern oder in den Mitochondrien.

Die gängige Sicht war, dass cAMP von der Membran durch die Zellflüssigkeit – das Cytosol – zu seinem Zielort wandert. Neue Studien legen jedoch nahe, dass cAMP nicht nur an der Zellmembran sondern auch in der Zelle gebildet wird – und zwar vom Enzym LAC. Welche Funktion LAC hat, haben Wissenschaftler bislang nur wenig untersucht.

LAC beeinflusst die Zellteilung

In einer Vorläuferstudie wurde bereits gezeigt, dass LAC eine Rolle beim programmierten Zelltod spielt. Nun wurde auch die Funktion des Enzyms für die Zellteilung identifiziert. Dazu wurden zunächst Gewebeproben von Patienten untersucht. Man verglich die LAC-Menge in Zellen eines bösartigen Prostatatumors mit der LAC-Menge in Zellen, die einer gutartigen Gewebewucherung entstammten. Die bösartigen Zellen enthielten mehr cAMP-bildendes Enzym als die gutartigen.

In einem Zellkulturexperiment wurden dann die Krebszellen genetisch so verändert, dass sie kaum noch LAC bildeten. Dadurch hörten die Zellen beinahe komplett auf, sich zu vermehren. Der gleiche Effekt wurde erzielt, wenn das Enzym LAC durch Medikamente gehemmt wurde. In der Folge wurden auch die beteiligten Signalwege identifiziert: Das von LAC gebildete cAMP aktiviert zwei Proteine, die wiederum den MAP-Kinase-Signalweg steuern. Dieser ist bekannt dafür, dass er Zellwachstum und -teilung kontrolliert.

Potenziell für die Therapie interessant

Eine Möglichkeit, Prostatakrebs zu behandeln, ist eine Bestrahlungstherapie. Das Autorenteam testet zurzeit an Zellkulturen, wie sich eine Kombination aus Bestrahlung und LAC-Hemmern auf das Wachstum der Krebszellen auswirkt. Denkbar wäre, dass ein Einsatz von LAC-Hemmern die notwendige Strahlenmenge reduzieren könne. Die bislang in Zellkultur verwendeten LAC-Hemmer sind allerdings nicht beim Menschen anwendbar. Bis zum klinischen Einsatz ist es daher noch ein weiter Weg, wie die Autoren betonen.

Originalpublikation:

Flacke JP et al.: Journal of Biological Chemistry 2013; 288: 3126–35

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben