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Das drei Bogengänge des Gleichgewichtssystems.
 
HNO 21. Februar 2013

Befreiungsmanöver bei Drehschwindel

Konservative Vertigotherapie verspricht schnellen Erfolg.

Das Canalith-Repositionsmanöver zur konservativen Therapie von Patienten mit benignem paroxysmalem Lagerungsschwindel kommt vor allem Jüngeren zugute. In einer prospektiven griechischen Studie zwischen 1995 und 2010 mit fast 1.000 Patienten verschwanden die Beschwerden bei 85 Prozent schon nach der ersten Behandlung – vorausgesetzt, sie hatten kein Kopftrauma und keine vestibuläre Neuropathie in der Anamnese.

An der Studie der HNO-Ärzte und Neurologen um Dr. Emmanuel Prokopakis vom Uniklinikum in Heraklion nahmen 965 Patienten im Alter zwischen 18 und 87 Jahren teil, bei denen entweder der Dix-Hallpike- oder der Roll-Provokationstest positiv war. Die Dauer der Beschwerden lag zum Zeitpunkt der Diagnose zwischen einem Tag und 18 Monaten. Das Follow-up in der ersten Phase nach der Therapie betrug zwischen zwei und sieben Tagen. Das Langzeit-Follow-up, bei dem die Patienten alle sechs Monate telefonisch kontaktiert wurden, lag im Mittel bei 74 Monaten.

Manöverarten leicht verändert

Bei der Therapie stützten sich die Ärzte auf die weithin akzeptierte Canalolithiasis-Hypothese, nach der die Drehschwindelattacken durch frei im Bogengang bewegliche Kalzitkristalle, die Otokonien, ausgelöst werden. Prokopakis und seine Kollegen wendeten das Lagerungsmanöver nach Epley bei Patienten mit Beteiligung der posterioren und anterioren Bogengänge an sowie das Barbeque-Manöver bei Beteiligung des horizontalen Bogengangs. Allerdings veränderten sie beide Manöverarten leicht. So mussten die Patienten z. B. jeweils nach einer Drehung des Kopfes um 90° statt einer Minute jeweils drei Minuten lang in der jeweiligen Position verharren.

Die Rotationen wurden so lange wiederholt, bis kein Schwindel oder Nystagmus mehr ausgelöst wurde. Bis zu einer erneuten Untersuchung nach zwei bis sieben Tagen sollten die Patienten sich nicht bücken, den Kopf nicht weit nach oben oder unten bewegen und zwei Tage lang nicht auf dem Rücken liegen bzw. schlafen.

Meist posteriorer Bogengang betroffen

Mit 849 Patienten (88 %) lag bei den meisten eine Beteiligung des posterioren Bogengangs vor. Deutlich seltener beteiligt waren der horizontale Bogengang (96 Patienten, 10 %) und – wie erwartet – der anteriore Bogengang (20 Patienten, 2 %).

Bei insgesamt 819 Patienten (85 %) verschwanden die Symptome bereits nach dem ersten Befreiungsmanöver, bei 88 Patienten (9 %) erst nach der zweiten Reposition, und nur bei 19 Patienten (2 %) waren mehr als drei Behandlungen erforderlich. Bei knapp sechs Prozent musste die Behandlung wegen therapiebedürftiger schwerer Übelkeit und Schwindelsymptomen unterbrochen werden. Insgesamt 756 Patienten konnten durch die Befreiungsmanöver geheilt werden.

Der Anteil der Patienten über 70 Jahre, bei denen erneut Befreiungsmanöver erforderlich waren, war im Vergleich zur Situation bei den jüngeren Patienten deutlich erhöht. So war die Rezidivrate bei jüngeren im Vergleich zu den älteren Patienten nach fünfzehn Jahren nur halb so groß. Das bestätige Beobachtungen in früheren Studien, so Prokopakis und seine Kollegen.

Quelle: springermedizin.de

Originalpublikation: E et al. Audiol Neurotol 2013; 18: 83–88

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