zur Navigation zum Inhalt
Kinder von Müttern mit Erfahrung einer Essstörung werden besondes gesund ernährt.
 

Was kommt auf den Kinderteller bei essgestörten Müttern?

Besonders gesund ist die tägliche Kost von Kindern, deren Mütter Erfahrung mit Anorexie oder Bulimie haben.

Kinder von Müttern, die Erfahrungen mit einer Essstörung haben, ernähren sich anders als Kinder von Frauen mit normalem Essverhalten. In einer englischen Studie wurde deutlich: Sie erhalten mehr gesunde bzw. vegetarische Kost, nehmen aber insgesamt mehr Kalorien auf. Welche Konsequenzen das auf spätere Ernährungsvorlieben hat, und ob die besonderen Umstände das kindliche Risiko erhöhen, ebenfalls eine Bulimie oder Anorexie zu entwickeln, darüber kann bislang nur spekuliert werden.

Mütter, die in ihrem Leben Erfahrungen mit Essstörungen gemacht haben, können ihren Kindern vermutlich nur schwer einen ungezwungenen Umgang mit dem Essen vermitteln. Doch legen die meisten dieser Frauen offenbar viel Wert darauf, ihre Kinder mit besonders gesundem Essen zu versorgen. Im Rahmen einer englischen Längsschnittstudie (ALSPAC) wurden 9.423 Mütter zu ihren Essgewohnheiten und -problemen sowie zur Ernährung ihrer Kinder im Alter von drei, vier, sieben und neun Jahren befragt.

140 Frauen gaben an, im Laufe ihres Lebens an einer Anorexia nervosa gelitten zu haben, 170 Mütter hatten Erfahrung mit Bulimia nervosa und 71 Frauen mit beiden Störungen. Die Autoren verglichen das Essverhalten der Kinder essgestörter Mütter mit dem der Kinder von 9.037 Frauen ohne Essstörung. Zum Vergleich bildeten sie vier Gruppen von Ernährungsweisen: 1. industriell verarbeitete Lebensmittel (hoher Fettgehalt, viel Wurst, Eier, Burger und fertige Geflügelprodukte sowie zucker- und fettreiche Snacks); 2. traditionell britisch (meat and two veg diet – täglich Fleisch, Geflügel, Kartoffeln und Gemüse); 3. gesundheitsbewusst vegetarisch (Gemüse, Salat, Reis, Nudeln, Nüsse und Früchte); 4. Snack-Gruppe (fettreiche Snacks und Finger-Food). Für Letztere wurden lediglich die Daten der Dreijährigen erfasst. Alle anderen Vergleiche bezogen sich auf Altersgruppen zwischen drei und neun Jahren.

Häufig vegetarisch, aber auch kalorienreich

Snacks und Fertigprodukte verzehrten die Kinder unabhängig von der Essstörung ihrer Mutter und in gleichem Maß wie in der Kontrollgruppe. Dagegen setzten Mütter mit Essstörungen ihren Drei- bis Neunjährigen besonders häufig ausgesprochen gesunde bzw. vegetarische Kost vor. Traditionell britisch war der Speiseplan bei diesen Kindern dagegen seltener. Allerdings glich sich die traditionelle Ernährungsweise mit zunehmendem Alter immer mehr der von Kindern unbelasteter Mütter an und überholte diese im Alter von etwa sieben Jahren sogar. Beim adjustierten Vergleich einzelner Nährstoffe ergab sich eine höhere Kalorienaufnahme bei den Kindern essgestörter Frauen im Vergleich zu den Sprösslingen unbelasteter Mütter. Bei Kindern von Bulimie-Müttern fiel zudem eine stärkere Kohlenhydrat- und Stärkezufuhr auf, während gleichzeitig an Fett gespart wurde.

Beratung bereits in der Schwangerschaft von Vorteil

Derzeit liegt noch keine Erklärung dafür vor, warum sich Kinder von essgestörten Müttern gesünder ernähren als andere. Möglicherweise versuchen die Mütter, hier einfach alles richtig zu machen. Es lohne sich, die Ernährungsgewohnheiten dieser Kinder weiter zu verfolgen, meinen die Autoren. Denn Einschränkungen, die in früher Kindheit von der Mutter auferlegt wurden, könnten möglicherweise später zu Kompensationswünschen führen. Eine zunehmend kalorienreiche, ungesunde Ernährungsweise könnte dann unter anderem das Risiko für Übergewicht und Adipositas im Jugendalter steigern, möglicherweise aber auch den Grundstein für Essstörungen legen. Um dies zu vermeiden und Unsicherheiten der Mütter bei der Ernährung ihrer Kinder aufzufangen, wäre für Schwangere mit Anorexie- oder Bulimieerfahrung eine frühzeitige gesonderte Beratung zur kindlichen Ernährung hilfreich.

Quelle: springermedizin.de

Originalartikel: Easter E. et al. The Journal of Pediatrics 2013; online 17 Jänner 2013

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben