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© MPI für experimentelle Medizin
Nerven mit normaler und zu dünner Myelinschicht.
 
Neurologie 28. Jänner 2013

Schwannzellen reparieren Nerven

Nach einer peripheren Nervenschädigung bilden Gliazellen selbst Neuregulin 1 und fördern so die Regeneration von Nervengewebe.

Die Fortsätze von Nervenzellen (Axone) sind über die gesamte Länge von Gliazellen umgeben. Diese sogenannten Schwannzellen umhüllen die Axone mit Myelin, das eine schnelle Weiterleitung elektrischer Impulse ermöglicht. Nach einer Schädigung des Nervs werden die verletzten Axone zunächst abgebaut. Nach einigen Wochen wachsen sie erneut aus und werden anschließend von Schwannzellen wieder mit Myelin ummantelt. Aus bisher nicht verstandenen Gründen gelingt es den Schwannzellen jedoch nicht, die Myelinscheiden wieder vollständig zu regenerieren. Die Funktion der Nerven bleibt daher oft dauerhaft beeinträchtigt.

Eine aktuelle Studie zeigt, dass der Wachstumsfaktor Neuregulin 1 die Nervenreparatur und den Wiederaufbau der Myelinschicht unterstützt. Normalerweise wird dieses Protein von Nervenzellen hergestellt und ist auf Axonen lokalisiert. Dort dient es als wichtiges Signal für die Myelinbildung. Da die Axone nach einer Verletzung aber schnell abgebaut werden, verlieren die verbleibenden Schwannzellen ihren Kontakt zu den Axonen. Ihnen fehlt damit das Neuregulin-1-Signal. „In der Phase nach einer Nervenschädigung, in der die Axone fehlen, müssen die Schwannzellen viele Aufgaben ohne die Hilfe von axonalen Signalen ausführen. Wenn sie diese erste große Hürde nicht nehmen können, misslingt in der Folge die adäquate Reparatur des Nervs“, erklärt Autorin Ruth Stassart. Um dies zu verhindern, übernehmen Schwannzellen kurzerhand selbst die Produktion des eigentlich neuronalen Signalmoleküls: Nach einer Nervenschädigung synthetisieren sie solange Neuregulin 1, bis die Axone wieder nachgewachsen sind.

Stassart RM et al.: Nat Neurosci 2013; 16 (1): 48–54

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