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Diabetologie 21. Jänner 2013

Sulfonylharnstoffe versus Metformin

Erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Das blutzuckersenkende Medikament Metformin schützt Patienten mit Typ-2-Diabetes besser vor Herzinfarkten und Schlaganfällen als Medikamente aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe. Dies ergab eine US-amerikanische Studie, die kürzlich veröffentlicht wurde. Demnach liegt das Risiko für Herzkreislauferkrankungen unter einer Therapie mit Sulfonylharnstoffen um 21 Prozent höher als bei einer Metformin-Behandlung. Aus Sicht der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) untermauern die Studienergebnisse die Empfehlung, die Therapie des Typ-2-Diabetes nach Möglichkeit immer mit Metformin zu beginnen.

Viele Diabetespatienten sterben frühzeitig an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. „Eine multifaktorielle Diabetestherapie, die das Ziel hat, den Blutzucker, die Blutfette sowie den Blutdruck optimal einzustellen, kann dies häufig verhindern“, erläutert Prof. Dr. Stephan Matthaei, Präsident der DDG. „Eine optimale Therapie des Blutzuckers unter Vermeidung von Nebenwirkungen – insbesondere von Unterzuckerungen und Gewichtszunahme – beugt den Folgeerkrankungen des Diabetes vor“, so Matthaei.

In den vergangenen Jahren konnte jedoch beobachtet werden, dass bei gleicher Blutzuckersenkung die Diabetesmedikamente nicht gleich effektiv schützend wirken. Ein Wirkstoff – Rosiglitazon – wurde vor zwei Jahren sogar vom Markt genommen, weil sich unter ihm das Risiko für Herzinfarkte erhöht hatte.

Im direkten Vergleich

Auch zwischen Metformin und den Sulfonylharnstoffen – den seit Jahrzehnten am häufigsten eingesetzten Blutzuckermedikamenten – gibt es bezüglich des kardiovaskulären Outcomes deutliche Unterschiede. Dies ergab jetzt eine Auswertung der Krankenakten von mehr als 250.000 US-Veteranen, die ein Team um Marie Griffin vom Vanderbilt University Medical Center in Nashville/Tennessee durchgeführt hat. Bei allen Patienten war ein Typ-2-Diabetes neu diagnostiziert worden. Alle waren zunächst mit Metformin oder einem Sulfonylharnstoff behandelt worden. In den USA verordnen Ärzte vor allem die Sulfonylharnstoffe Glibenclamid und Glipizid, das in Deutschland nicht auf dem Markt verfügbar ist. Diabetespatienten in Deutschland erhalten meist Glibenclamid und Glimepirid.

Risiko betrifft gesamte Wirkstoffklasse

Die Auswertung der Krankenakten ergab nun: Unter der Therapie mit Glibenclamid und Glipizid ereigneten sich 21 Prozent mehr Todesfälle oder Krankenhausbehandlungen wegen Herzinfarkt oder Schlaganfall als unter Metformin. „Das erhöhte Risiko war für beide Sulfonylharnstoffe nachweisbar, sodass es sich eher um ein Risiko handeln dürfte, das die Wirkstoffklasse insgesamt und nicht einzelne Wirkstoffe betrifft“, erklärt Prof. Dr. Andreas Fritsche, Pressesprecher der DDG aus Tübingen.

Gefährliche Unterzuckerung

Die Ursache für die erhöhte Rate von Herzkreislauferkrankungen ist nicht bekannt. Sie könnte mit den Begleitwirkungen der Sulfonylharnstoffe zusammenhängen. So kommt es unter der Therapie mit Sulfonylharnstoffen häufig zu gefährlichen Unterzuckerungen, was bei Patienten unter der Therapie mit Metformin ausgeschlossen ist. Auch die Auswirkungen auf das Körpergewicht, die Blutfette und den Blutdruck sind bei Metformin günstiger.

Aus diesem Grund ist Metformin heute das bevorzugte Mittel, um in die Therapie des Typ-2-Diabetes einzusteigen. Es gibt aber auch Patienten, die Metformin nicht vertragen oder aufgrund einer eingeschränkten Nierenfunktion nicht einnehmen dürfen. „Hier ist eine Therapie mit anderen oralen Antidiabetika oder Insulin sinnvoll, um Spätfolgen des Diabetes an Nerven und Augen zu verhindern“, erklärt Fritsche. „Nur der Verzicht auf eine Therapie ist beim Diabetes niemals eine Alternative.“

Originalstudie: Roumie CL et al.: Comparative Effectiveness of Sulfonylurea and Metformin Monotherapy on Cardiovascular Events in Type 2 Diabetes Mellitus: A Cohort Study; Ann Intern Med 2012; 157 (9): 601-10

Pressestelle DDG/CL, Ärzte Woche 4/2013

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