zur Navigation zum Inhalt
© Monkey Business / Fotolia.com
Fünf Lebensstilfaktoren erhöhen das Polypenrisiko.
 
Gastroenterologie 4. Dezember 2012

Lebensstil steuert Polypenwachstum

Prävalenz hängt unmittelbar von der Zahl der Risikofaktoren ab.

Viel Fleisch, wenig Ballaststoffe, Übergewicht und die tägliche Schachtel Zigaretten: Laut einer Studie soll mit einem solchen Lebensstil die Polypen im Dickdarm regelrecht herangezüchtet werden.

Im Rahmen der Tennessee Colorectal Polyp Study wurden über 10.000 Teilnehmer untersucht, die sich zwischen Februar 2003 und März 2010 einer Koloskopie unterzogen hatten. Fünf Lebensstilfaktoren ließen die Häufigkeit kolorektaler Polypen signifikant steigen: Rauchen, Übergewicht, häufiger Konsum von rotem Fleisch (Rind, Kalb, Schwein oder Lamm), ballaststoff- und kalziumarme Ernährung. Dagegen senkte die regelmäßige Einnahme nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR) erwartungsgemäß das Polypenrisiko.

Die Wahrscheinlichkeit, bei der Koloskopie auf bereits fortgeschrittene oder multiple Adenome zu treffen, war bei dem höchsten Risikoscore, das heißt bei rauchenden Teilnehmern mit einem BMI über 30, die täglich weniger als 1.000 mg Kalzium und unter 20 g Ballaststoffe zu sich nahmen, um das Vier- bzw. Siebenfache erhöht.

Das Polypenrisiko hing unmittelbar mit der Zahl der Risikofaktoren, die ein Teilnehmer auf sich vereinte, zusammen. Wer es auf fünf bis sechs brachte, hatte generell ein viermal höheres Risiko als jemand, der beispielsweise „nur“ zu dick war oder bei dem der häufige Fleischkonsum das einzige Laster darstellte. Die stärkste Assoziation ergab sich für das kombinierte Auftreten von sogenannten hyperplastischen Polypen (HPP) und Adenomen: Hier war das Risiko bei Vorliegen aller Faktoren bis zu neunmal erhöht.

Hyperplastische Polypen nicht immer harmlos

Polypen wurden bei insgesamt 2.500 Teilnehmern diagnostiziert. Patienten mit bereits früher diagnostizierten Adenomen, hereditärem Darmkrebs in der Anamnese oder anderen Krebserkrankungen sowie chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen waren ausgeschlossen. Die Koloskopie zeigte in 430 Fällen gleichzeitig HPPs und Adenome, 660 Teilnehmer hatten lediglich HPPs, 1.400 nur Adenome.

Wie die Autoren um Dr. Zhenming Fu von der Vanderbilt University School of Medicine berichten, mehren sich die Hinweise dafür, dass HPPs keineswegs immer harmlos sind. Über einen bestimmten Pathomechanismus, die Mikrosatelliteninstabilität, können auch sie zum Kolonkarzinom entarten. Ursache ist dabei möglicherweise ein Defekt im DNA-Reparatursystem, wodurch es zur Anhäufung von Mutationen kommt. Die DGVS (Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten) empfiehlt derzeit die Exzision von HPPs ab einem Durchmesser von einem Zentimeter sowie eine nachfolgende Kontrolluntersuchung im Abstand von drei Jahren.

Bekannt war bislang, dass sich bei Rauchern vermehrt HPPs bilden. Nun zeigt sich, dass auch andere, ebenfalls beeinflussbare Lifestyle-Faktoren diesen Prozess beeinflussen können, und dass weiters die HPPs häufig gemeinsam mit Adenomen auftreten, vor allem wenn mehrere Risikofaktoren zusammenkommen. Möglicherweise sind die Forscher einem eigenen Polypen-Phänotyp auf die Spur gekommen. Dies müssten aber weitere Untersuchungen noch klären, so die Autoren.

Quelle: springermedizin.de

Originalpublikation: Fu Z et al. Lifestyle Factors and Their Combined Impact on the Risk of Colorectal Polyps. American Journal of Epidemiology 2012; doi: 10.1093/aje/kws157

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben