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© Jan-Peter Kasper/FSU
Taubsches Bewegungstraining
 
Physikalische Medizin/Rehab 22. November 2012

Besser beweglich mit Betäubung

Durch eine Lokalanästhesie können die motorischen Fähigkeiten von Patienten nach einem Schlaganfall deutlich verbessert werden.

Am Universitätsklinikum Jena wird für Schlaganfallpatienten eine spezielle Trainingstherapie eingesetzt: Beim „Taubschen Bewegungstraining“ (Constraint-Induced Movement Therapy, CIMT) wird der gesunde Arm in einer Manschette vollständig fixiert, während Arm und Hand, die in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind, intensiv feinmotorische Aufgaben trainieren. Auch Alltagstätigkeiten wie Händewaschen oder Trinken aus einer Tasse stehen auf dem Übungsprogramm.

Wie sich nun zeigte, lässt sich die Wirksamkeit dieses Trainings zusätzlich steigern, wenn man die Sensitivität des bewegungseingeschränkten Armes durch ein Anästhetikum herabsetzt: Von 36 Patienten erhielt die Hälfte ein Lokalanästhetikum in Form einer Salbe auf den gelähmten Unterarm, die anderen bekamen ein Placebo. Anschließend absolvierten beide Gruppen einen Tag lang das Bewegungstraining. Wie erwartet, verbesserte sich die Beweglichkeit bei allen Patienten. Jene, die das Anästhetikum erhalten hatten, profitierten aber deutlich mehr als die Placebogruppe.

Die Ursache für diesen Effekt wird in Magnet-Enzephalogrammen sichtbar: Das temporäre Ausschalten der Nervenreize aus dem Unterarm führt dazu, dass die Aktivität in den Hirnarealen abnimmt, die diese Reize verarbeiten. Gleichzeitig werden aber benachbarte Hirnregionen stärker aktiviert. So reagiert das Gehirn auf ausbleibende Reize aus dem Unterarm mit einer gesteigerten Sensitivität in der Hand, in deren Folge sich auch die motorischen Fertigkeiten verbessern.

Sens E. et al.: J Neurosc 2012; 32 (34): 11773–79

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