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© Hannes Eichinger / fotolia
Zitrusfrüchte haben keinen Einfluss auf Inkontinenz.
 
Urologie 25. Oktober 2012

Sauer macht nicht inkontinent

Keine Angst vor sauren Früchten: Ihre angeblich blasenreizende Wirkung konnte nicht bestätigt werden.

Zitrusfrüchten und Tomaten wird nachgesagt, dass sie die Harnblase irritieren und dadurch die Entstehung von Inkontinenz begünstigen. Für diese Behauptung lässt sich jedoch in einer großen prospektiven Studie keinerlei Beleg finden.

Ob Frauen reichlich oder kaum Früchte mit hohem Säuregehalt essen, hat nach einer Subanalyse der Nurses Health Study keinen Einfluss darauf, ob sie an Harninkontinenz leiden oder nicht.

Für die Studie waren 65.168 Frauen zwischen 37 und 79 Jahren, die zunächst kontinent waren, zu ihren Ernährungsgewohnheiten befragt und dann vier Jahre lang beobachtet worden. Selbst diejenigen Frauen, die die meisten sauren Früchte und Fruchtsäfte konsumierten (fünf Portionen am Tag), wurden im Beobachtungszeitraum nicht häufiger inkontinent als Frauen mit dem niedrigsten Konsum (eine Portion pro Tag). An diesem Null-Ergebnis änderte sich auch nichts, wenn man das Auftreten von Drang-, Belastungs- und geringfügiger Harninkontinenz einzeln betrachtete.

Ebenso wenig wird durch saure Früchte eine bestehende Harninkontinenz verschlechtert, wie die Überwachung von 23.063 bereits erkrankten NHS-Teilnehmerinnen zeigte. Eine Verschlimmerung trat innerhalb von zwei Jahren bei den Frauen mit dem höchsten und dem niedrigsten Konsum mit der gleichen Häufigkeit auf.

Unter dem Begriff „saure Früchte“ wurden in der vorliegenden Studie Zitrusfrüchte, Pflaumen, Trauben, Äpfel, Beeren sowie Tomaten und Tomatenprodukte zusammengefasst. Aber auch bei getrennter Auswertung für die einzelnen Fruchtsorten, etwa für Zitrusfrüchte und Tomaten, ergaben sich keine Hinweise auf einen Zusammenhang mit der Entwicklung oder dem Fortschreiten einer Harninkontinenz.

Die Ergebnisse liefern erstmals eine epidemiologische Evidenz dafür, dass Frauen, die wegen Inkontinenz in Sorge sind, deswegen nicht den Verzehr von sauren Früchten beschränken müssen“, schreiben die Studienautoren.

Urin wird nicht sauer

Die Mediziner nennen auch einen möglichen Grund für die fehlende Korrelation: Wegen ihres Gehalts an Karbonaten, Natrium und Kalium machen die meisten säurehaltigen Früchte den Urin nämlich gar nicht sauer, sondern heben den pH sogar an.

Quelle: Townsend MK et al. Acidic fruit intake in relation to incidence and progression of urinary incontinence. Int Urogynecol J 2012

springermedizin.de/CL, Ärzte Woche 43/2012

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