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Hämatologie 24. September 2012

Immunmagnet entfernt Lymphozyten

Grazer Wissenschaftler haben eine neue Strategie entwickelt, die bei kindlichem Knochenmarkversagen auch die Transplantation von Knochenmarkstammzellen nicht verwandter Spender ermöglicht und damit jungen Patienten ohne Geschwister-Spender die Folgen und Nebenwirkungen einer lang dauernden Immunsuppression erspart. Die eine Herausforderung war dabei, das Abstoßungsrisiko des vorsensibilisierten Empfängers ausreichend zu vermindern, ohne den Organismus zu sehr in Mitleidenschaft zu ziehen. Ein Bestandteil dieser Konditionierungstherapie war bisher die Bestrahlung aller Lymphknotenregionen. Diese wollte man vermeiden, weil es sich bei der aplastischen Anämie ja nicht um eine maligne Erkrankung handelt. Bei der neuen Konditionierungstherapie gelang es, mit Medikamenten das Auslangen zu finden.

Die zweite Schwierigkeit war, zu verhindern, dass die im Fremdspenderkonzentrat enthaltenen Abwehrzellen den Empfänger angreifen. Diese Graft-versus-Host-Reaktion hat zwar bei malignen Erkrankungen einen gewissen therapeutischen Nutzen, nicht aber bei der aplastischen Anämie. Um sie zu unterbinden, wurden die dafür verantwortlichen T-Lymphozyten mit einer Immunmagnetmethode aus dem Stammzellenkonzentrat entfernt.

Bisher erhielten sieben Patienten (mittleres Alter: 11 Jahre), bei denen die Hämatopoese trotz immunsuppressiver Therapie nicht aufrecht erhalten werden konnte, Stammzellen eines Fremdspenders nach dem neuen Verfahren. In allen Fällen kam es zu einem raschen Anwachsen des neuen Knochenmarks (median 10 Tage). Nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 26 Monaten hatten sechs Transplantierte eine normale Hämatopoese. Ein stark vorbehandelter Patient entwickelte eine Graft-versus-Host-Reaktion Grad III und verstarb an den Folgen eines Nierenversagen und einer disseminierten Aspergillose.

Urban C et al.: Pediatr Transplant 2012; 16 (6): 577-81

MedUni Graz/CL, Ärzte Woche 39/2012

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