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Diabetologie 23. August 2012

HbA1c-Ziel und Komplikationen

Hinweise auf glykämische Schwellenwerte bei Typ-2-Diabetikern.

Gibt es bei der ADVANCE-Studie HbA1c-Schwellen, über denen das Risiko für mikro- und makrovaskuläre Komplikationen ansteigt oder abfällt?

Derzeit gibt es widersprüchliche Empfehlungen für HbA1c- Zielwerte bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2. Die ACCORD-Studie wurde vor ein paar Jahren abgebrochen, nachdem beobachtet wurde, dass die drastische, kurzfristige Senkung des HbA1c bei kardiovaskulären Risikopersonen und langjährigen Typ-2-Diabetikern mit einer erhöhten Mortalität einherging.

In der vorliegenden Studie wurde der Zusammenhang zwischen HbA1c-Wert und dem Risiko für vaskuläre Komplikationen und Mortalität bei der ADVANCE-Studie untersucht (Zoungas S et al.: Diabetologia 2012).

Patienten und Methodik

Im Rahmen der ADVANCE (Action in Diabetes and Vascular disease: Preterax and Diamicron Modified Release Controlled Evaluation)-Studie wurden 11.140 Patienten randomisiert einer intensiven oder standardisierten antidiabetischen Therapie zugeteilt. Der mittlere HbA1c-Wert wurde wiederholt während der Beobachtungszeit und vor dem ersten Ereignis bestimmt. Adjustierte Risiken für jede HbA1c-Dezile wurden erstellt. Mögliche Unterschiede der Assoziation von HbA1c und Risiko bei unterschiedlich hohem HbA1c wurde mit „Linear spine“-Modellen analysiert.

Ergebnisse

Die Assoziation von mittlerem HbA1c im Verlauf und dem Risiko für makro- und mikrovaskuläre Ereignisse und Tod war nicht linear. Innerhalb des untersuchten HbA1c-Bereiches (5,5–10,5%) gab es Hinweise auf „Schwellenwerte“. Das Risiko bei HbA1c-Veränderungen unterhalb von sieben Prozent für makrovaskuläre Ereignisse und Tod, und HbA1c unter 6,5 Prozent für mikrovaskuläre Ereignisse veränderte sich nicht signifikant (p >0,8). Oberhalb dieser Schwellenwerte stieg das Risiko signifikant an: Mit jedem Anstieg des HbA1c um ein Prozent stiegen das Risiko für ein makrovaskuläres Ereignis um 38 Prozent, das Risiko für ein mikrovaskuläres Ereignis um 40 Prozent und das Risiko für Tod um 38 Prozent an (alle p <0,0001).

Schlussfolgerung

Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes sind HbA1c-Werte bis sieben Prozent mit weniger makrovaskulären Ereignissen und HbA1c-Werte bis 6,5 Prozent mit weniger mikrovaskulären Ereignisse assoziiert. Unterhalb dieser Schwellen gab es weder Hinweise für ein weiter erniedrigtes Risiko noch für ein erhöhtes Risiko.

Der Originalartikel mit Kommentar ist erschienen in: Info Diabetologie 2012; 6 (3): 11, ©Springer-Verlag

springermedizin.de
, Ärzte Woche 34/2012

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