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Diabetologie 23. August 2012

Weder erhöht noch reduziert

Basalinsulin zeigt „neutralen Effekt“ auf kardiovaskuläre Ereignisse. Zu den Ergebnissen der ORIGIN-Studie, Teil 1.

Die Strategie einer normnahen Einstellung der Nüchternblutzuckerwerte mit einem Basalinsulin hat in der ORIGIN-Studie im Lauf von sechs Jahren die Inzidenz von kardiovaskulären Ereignissen und Krebserkrankungen bei Patienten mit gestörtem Glukosemetabolismus oder manifestem Diabetes weder erhöht noch reduziert. Die Studienautoren sprechen von einem „neutralen Effekt“.

Schon bei leichteren Störungen des Glukosestoffwechsels und erst recht bei manifestem Typ-2-Diabetes ist das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse erhöht. Kann dieses Risiko durch eine weitgehende Normalisierung der Nüchternblutzuckerwerte mit dem Basalinsulin Insulin glargin (Lantus) im Vergleich zur üblichen Standardtherapie weiter gesenkt werden?

Unter dieser Fragestellung ist 2003 die große ORIGIN-Studie (Outcome Reduction with an Initial Glargine Intervention) gestartet worden. Jetzt sind die Ergebnisse beim Kongress der American Diabetes Association (ADA) in Philadelphia vorgestellt und zeitgleich im New England Journal of Medicine veröffentlicht worden.

Die Patienten im Glargin-Arm wurden angewiesen, ihren selbst gemessenen Nüchternblutzucker durch entsprechende Titrierung der Basalinsulin-Dosis auf einen Wert von 95 mg/dl (5,3 mmol/l) oder niedriger einzustellen.

Bei mehr als der Hälfte aller Patienten im Glargin-Arm konnte auf diese Weise der Nüchternblutzucker auch auf lange Sicht in den empfohlenen Zielbereich gesenkt werden. In der Gruppe mit Standardtherapie lag der mediane Wert bei 123 mg/dl.

Rate kardiovaskulärer Ereignisse in beiden Gruppen gleich

Die Dauer der Nachbeobachtung betrug im Median 6,2 Jahre. Die Raten für die in dieser Zeit aufgetretenen Ereignisse kardiovaskulärer Tod, nicht tödlicher Myokardinfarkt oder Schlaganfall (erster co-primärer Endpunkt) betrugen 16,6 Prozent (Glargin-Gruppe) und 16,3 Prozent (Kontrollgruppe). Wurden zusätzlich zu diesen Ereignissen auch alle Revaskularisationen und Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz (zweiter co-primärer Endpunkt) einbezogen, ergaben sich Raten von 28,6 Prozent (Glargin-Gruppe) und 27,5 Prozent (Kontrollgruppe).

Günstiger Effekt auf Progression der Dysglykämie

In der Subgruppe der Personen ohne initial bestehendem Diabetes mellitus (18 Prozent der Studienpopulation) zeigt sich ein günstiger Effekt des Basalinsulins auf die Diabetes-Inzidenz: Einen Monat nach Absetzen von Insulin glargin wurde bei 25 Prozent aller damit zuvor behandelten Personen ein neu aufgetretener Typ-2-Diabetes diagnostiziert, in der Kontrollgruppe mit Standardtherapie betrug die Rate 32 Prozent (relative Risikoreduktion: 28 Prozent).

Dem gegenüber stand eine relative Zunahme von Hypoglykämien im Glargin-Arm, die aber nach Einschätzung der Studienautoren absolut betrachtet vergleichsweise gering war.

Patienten mit Insulintherapie nahmen im Schnitt 1,6 Kilogramm an Gewicht zu, während in der Kontrollgruppe eine leichte Abnahme um 0,5 Kilogramm zu verzeichnen war.

Gleichheit bei derKrebsinzidenz

Die Rate an Krebserkrankungen war mit jeweils 7,6 Prozent in beiden Behandlungsgruppen identisch.

Insulin glargin sei mit diesen Daten das am besten untersuchte Arzneimittel in der antidiabetischen Therapie, betonte Studienleiter Prof. Hertzel Gerstein aus Hamilton/Kanada. Zwar habe sich die präventive Wirkung auf kardiovaskuläre Ereignisse zumindest im Studienzeitraum nicht belegen lassen. Dennoch wertet Gerstein die Studie als Erfolg: Nach 90 Jahren Insulintherapie, die lange Zeit von Unsicherheiten über mögliche ungünstige Effekte begleitet waren, habe man nun für Insulin glargin die beruhigende Gewissheit, dass von einem Insulin auch langfristig keine negativen Auswirkungen auf wichtige Aspekte der Gesundheit zu befürchten seien. 

Quelle: Basal Insulin and Cardiovascular and Other Outcomes in Dysglycemia, NEJM online 11. Juni 2012, präsentiert beim Kongress der ADA.

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