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Aufgabelung der Trachea.
 
Pulmologie 18. August 2012

Schweres Asthma wird besser beherrschbar

Medikament hemmt Entstehung von Entzündungs-fördernden weißen Blutkörperchen. 

Ein neues Biotech-Medikament, das die Entstehung von Entzündungs-fördernden "eosinophilen" weißen Blutkörperchen hemmt, reduziert die Häufigkeit von akuten Verschlechterungen bei Patienten mit schwerem Asthma um etwa die Hälfte. Das geht aus einer britischen Studie hervor, die in der aktuellen Ausgabe der Medizin-Fachzeitschrift The Lancet (17. August) veröffentlicht wird.


Der Hintergrund: Bei etwa einem Drittel der Patienten mit schwerem Asthma sind sogenannte eosinophile weiße Blutkörperchen für die chronische und heftige Entzündung in den Bronchien verantwortlich. Zwar können viele Asthmatiker mit inhalierbaren Wirkstoffen zur Entzündungshemmung (Kortison) und zur Erweiterung der Bronchien (Beta-Mimetika) gut behandelt werden, doch bei Patienten mit schwerstem Asthma gelingt das oft nur teilweise. Sie sind auch oft auf hohe Dosen von Kortison zum Schlucken angewiesen, was wiederum mit potenziell gefährlichen Nebenwirkungen verbunden ist. Vor einigen Jahren wurde versucht, mit einem monoklonalen Antikörper gegen das bei allergischem Asthma vermehrt gebildete Immunglobulin E eine zusätzliche, immunologisch wirksame Behandlungsstrategie zu etablieren. Der Erfolg war nur beschränkt.

Monoklonaler Antikörper blockiert Entstehung von eosinophilen weißen Blutkörperchen

 

Mit dem monoklonalen Antikörper Mepolizumab könnte jetzt für bestimmte Asthmapatienten eine andere Behandlungsmöglichkeit zur Verfügung stehen. Das ebenfalls immunologisch wirkende Arzneimittel aus der Biotechnologie blockiert die Entstehung von eosinophilen weißen Blutkörperchen, die bei einem Drittel der Asthmapatienten hinter der Erkrankung stehen dürften. Sie wandern vermehrt in die Bronchien ein und verursachen dort die verstärkte Entzündungsreaktion.

In einer klinischen Studie mit 621 Patienten mit schwerem Asthma und nachgewiesener "Eosinophilie" erhielten die Betroffenen jedes Monat entweder drei verschiedene Dosierungen des neuen Medikaments oder ein Placebo als Infusion. Studienleiter Ian Pavord (Universitätskrankenhäuser in Leicester/Großbritannien) und die Co-Autoren von insgesamt 81 Spitälern in 13 Staaten beobachteten die Kranken ein Jahr lang.

Das Ergebnis laut dem Lancet: "Nach einem Jahr reduzierte sich die Häufigkeit von klinisch signifikanten Exazerbationen (akute Verschlechterungen des Zustandes mit der Notwendigkeit zur hoch dosierten Kortison-Einnahme, Aufsuchen von Notfallambulanzen oder Spitalsaufnahmen, Anm.) um rund die Hälfte."

Leider keine Verbesserung der Lungenfunktion


Allerdings, eine Verbesserung der Lungenfunktion selbst stellte sich nicht ein. Das - so die Autoren - könnte darauf hinweisen, dass die Einschränkung der Lungenfunktion bei chronischem Asthma und diese Exazerbationen eigentlich unterschiedliche Krankheitsbilder sind, die in Zukunft getrennt zu betrachten sind. Von Vorteil könnte aber zusätzlich zur Verhinderung solcher Asthma-Krisen speziell bei Patienten mit eosinophilem Asthma das Einsparen von Cortison sein.

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