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Onkologie 14. August 2012

Aktive Immunisierung gegen Nierenkrebs erfolgreich

Die Ergebnisse zweier klinischer Studien mit dem Nierenkrebsimpfstoff IMA901 wurden nun veröffentlicht.

IMA901 wird therapeutisch verabreicht, wenn der Patient bereits an Krebs erkrankt ist. Der Impfstoff besteht aus zehn synthetischen tumor-assoziierten Peptiden (TUMAPs), die körpereigene Killer-T-Zellen gegen den Tumor aktivieren. Im Gegensatz zu Chemotherapien werden hier die körpereigenen Abwehrkräfte gezielt gegen den Tumor mobilisiert. Die Ergebnisse der Studien zeigen, dass die aktive Immunisierung gegen Krebs erfolgreich sein und das Leben deutlich mehr verlängern kann als sogar die neuesten Chemotherapien und das bei nur geringen Nebenwirkungen.

Prof. Dr. Hans-Georg Rammensee, Leiter der Abteilung Immunologie der Universität Tübingen und Mitgründer der Firma immatics biotechnologies GmbH, sagt: „Diese Arbeit ist ein Meilenstein in der Entwicklung der Krebsimmuntherapie. Das hier angewandte Prinzip der aktiven Immunisierung gegen Krebsantigene, die zuvor auf Krebszellen identifiziert worden waren, ist auf praktisch alle Krebsarten anwendbar.

Ähnlich erfolgreiche klinische Studien liefen bereits unter Tübinger Leitung beim Darmkrebs und beim Prostatakrebs. Derzeit laufen Studien beim Glioblastom und weitere, etwa gegen Leberkrebs und Ovarialkarzinom, sind in Vorbereitung.“

Klinischer Meilenstein

Prof. Dr. Arnulf Stenzl, Leiter der Abteilung Urologie des Universitätsklinikums Tübingen, unter dessen Leitung die klinischen Studien durchgeführt wurden: „Alle bisher eingesetzten Medikamente haben zwar eine deutliche Verbesserung in der Einschränkung des Tumorwachstums beim Nierenkrebs gebracht, jedoch haben sie nicht die gewünschte Lebensverlängerung oder gar Heilung erzielt. Daher ist die nun von immatics weiterentwickelte aktive Immunisierung in Kombination mit einer niedrig dosierten einmaligen Chemotherapie auch klinisch als ein Meilenstein in der Behandlung des Nierenzellkarzinoms, möglicherweise auch anderer bösartiger Tumoren zu werten.“

Ein besonderer Aspekt der vorliegenden Nierenkrebsstudie ist eine bisher einmalig tief gehende Analyse der Immunantwort gegen die eingesetzten Krebsantigene mithilfe von Biomarkern. Insbesondere die Eigenschaften der beteiligten weißen Blutkörperchen im Verlauf der Impfung wurden detailliert gemessen. Letzteres erforderte eine generalstabsmäßige Logistik, um diese Zellen aus allen beteiligten über ganz Europa verstreuten Studienzentren in gutem Zustand tiefgefroren zur Analyse nach Tübingen zu bringen.

Breit angelegte Aktivierung des Immunsystems

Die Studie zeigt, dass bei Nierenkrebspatienten mit nachweisbaren T-Zell-Reaktionen gegen zwei oder mehr tumor-assoziierte Peptide (TUMAPs) Immunreaktion und klinischer Verlauf eindeutig miteinander in Zusammenhang stehen.

Das bestätigt die Hypothese, dass krebstherapeutische Maßnahmen durch eine breit angelegte Aktivierung des Immunsystems gegen mehrere Zielstrukturen auf der Tumoroberfläche gleichzeitig entscheidend weiterentwickelt werden können.

Der Artikel beschreibt ferner das Forschungsvorhaben, Biomarker zu identifizieren, die eine Voraussage hinsichtlich der Überlebenszeit bestimmter Patientengruppen nach der Impfung mit I-MA901 treffen können.

Aus über 300 potenziellen Biomarkern konnten nach einer Analyse solche identifiziert werden, deren Fähigkeit, Immunantwort und Überlebensverlängerung durch IMA901 vorhersagen zu können, aktuell in der derzeit bereits laufenden neuen Phase-III-Studie bestätigt werden sollen.

Quelle: Walter S et al.: Nature Medicine 2012

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