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Prof. DDr. Andrea Olschewski, Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Lungengefäßforschung
 
Pulmologie 8. August 2012

Krebsmedikament und Lungenhochdruck

Der Zusammenhang zwischen der unerwünschten Wirkung und einer Krebstherapie konnte in Graz weitgehend entschlüsselt werden.

 
In den vergangenen Jahren kommen Tyrosinkinasehemmer (Medikamente, die in den Krebszellen das Eiweiß blockieren und somit das Tumorzell-Wachstum verhindern sollen) bei der Behandlung von Krebserkrankungen immer häufiger zum Einsatz. Sie lassen Betroffene, denen mit herkömmlichen Methoden nur unzureichend geholfen werden kann, hoffen. Durch diese Therapie können allerdings Beschwerden auftreten, mit denen man nicht gerechnet hat, beispielsweise Atemnot in der Folge von Lungenhochdruck.


Nun ist es einem Forscherteam in Graz gelungen, den Zusammenhang zwischen einem Krebsmedikament und dem Lungenhochdruck zu großen Teilen aufzuklären. Chandran Nagaraj vom Ludwig Boltzmann Institut für Lungengefäßforschung an der MedUni Graz hat sich unter der Leitung von Prof. DDr. Andrea Olschewski jahrelang intensiv mit dem Thema Lungenhochdruck beschäftigt. Ihn interessieren dabei besonders die bei Lungenhochdruck betroffenen molekularen Signalwege. So gelang es ihm nun erstmals nachzuweisen, dass eine bestimmte Protein-Tyrosinkinase auf die bei Lungenhochdruck betroffenen Ionenkanäle der Körperzellen einwirkt. Das heißt, wenn es zu einer Hemmung dieses Proteins kommt, kann die gefährliche Erkrankung Lungenhochdruck ausbrechen.

Der zu diesen Forschungsergebnissen kürzlich veröffentlichte Fachartikel des Forscherteams in der internationalen Zeitschrift European Respiratory Journal beschreibt den entscheidenden Mechanismus im Detail und schafft damit das notwendige Grundlagenwissen für die Entwicklung neuer Therapiestrategien.

Lungenhochdruck - eine gefährliche Erkrankung mit schleichendem Verlauf


Am LBI für Lungengefäßforschung an der MedUni Graz werden die Funktion und Erkrankungen der Lungengefäße, die sämtliches Blut des Körpers im Minutentakt durch die Lunge transportieren, erforscht. Wenn diese Gefäße erkrankt sind, kann sich zum Beispiel Lungenhochdruck entwickeln. Ein schwerer Lungenhochdruck kann unbehandelt binnen einiger Monate zum Tod führen. Die Früherkennung dieser Krankheit und die Erforschung potenzieller neuer Medikamente stehen im Fokus dieses LBI.

Literatur:

Chandran Nagaraj, Bi Tang, Zoltan Balint, Malgorzata Wygrecka, Andelko Hrzenjak, Grazyna Kwapiszewska, Elvira Stacher, Jörg Lindenmann, E. Kenneth Weir, Horst Olschewski, Andrea Olschewski: Src tyrosine kinase is crucial for potassium channel function in human pulmonary arteries. European Respiratory Journal 2012.

PA MedUni Graz, springermedizin.at

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