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Diabetologie 30. Mai 2012

Schwermut bei Diabetespatienten

Depressionen locken Demenzen.

Die Gefahr, dass Diabetiker, die auch unter Depressionen leiden, auch noch eine Demenz entwickeln, ist deutlich erhöht. In einer großen Registerstudie wurden sie doppelt so oft demenzkrank wie nicht depressive Diabetiker.

In der Diabetes and Aging Study wurde jetzt untersucht, wie die kognitive Leistungsfähigkeit durch das Zusammentreffen dieser Risikofaktoren beeinflusst wird.

Von insgesamt 19.239 Typ-2-Diabetikern wurden bei Studienbeginn 3.766 (19,6 %) – basierend auf einer ICD-9-Diagnose und/oder einer antidepressiven Therapie in den zwölf vorausgegangenen Monaten – als depressiv eingestuft. Um auszuschließen, dass es sich bei einer Depression um das Frühsymptom einer Demenz handelt, wurden für die Analyse nur Demenzerkrankungen berücksichtigt, die drei bis fünf Jahre später festgestellt wurden. Eine Demenzdiagnose gemäß ICD-9-CM (Altersdemenz, Alzheimer-Demenz, vaskuläre Demenz oder nicht genauer spezifizierte Demenz) erhielten in diesem Zeitfenster 2,1 Prozent der Patienten mit und 1,0 Prozent der Patienten ohne Depression.

Die depressiven Diabetespatienten nahmen es mit Ernährungsempfehlungen und Therapievorschriften nicht so genau, hatten einen höheren BMI und eine schlechtere Stoffwechselkontrolle sowie mehr Begleiterkrankungen und waren öfter Raucher. Obwohl all diese Faktoren pathologische Gefäßveränderungen und die Entstehung einer Demenz fördern, konnten sie den beobachteten Zusammenhang zwischen Depression und Demenz nicht erklären. Auch wenn ihr Einfluss herausgerechnet wurde, ergab sich bei den depressiven Diabetikern immer noch ein um 100 Prozent erhöhtes Demenzrisiko.

Biologische Ursachen

Verantwortlich dafür sind, so die Studienautoren um Wayne Katon von der University of Washington School of Medicine in Seattle, vermutlich biologische Faktoren, die mit der Depression in Zusammenhang stehen. So könnte die bei depressiven Patienten vermehrte Kortisolproduktion Schäden im Hypothalamus anrichten und auch die Neurogenese beeinträchtigen. Durch die erhöhten Kortisolspiegel wird zudem das metabolische Syndrom verstärkt, ebenfalls ein Risikofaktor für Alzheimer und vaskuläre Demenzen. Auch die verstärkte Freisetzung proinflammatorischer Faktoren und eine erhöhte Insulinresistenz tragen zum geistigen Abbau bei.

Laut Kane et al. deuten die Studienergebnisse darauf hin, dass das Demenzrisiko durch das gemeinsame Auftreten von Diabetes und Depression noch stärker erhöht wird als durch eine der Erkrankungen allein. Jetzt gelte es zu prüfen, ob durch die Behandlung einer Depression auch das Demenzrisiko gesenkt werden könne.Springermedizin.de/bs

 

Quelle: Der Neurologe und Psychiater 2012; 13 (5): 31 basierend auf: Katon W et al. Arch Gen Psychiatry. 2012; 69 (4): 410–417. doi:10.1001/archgenpsychiatry.2011.154

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