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Orthopädie 3. Mai 2012

Knorpelschäden verschlechtern die Prognose

Zusätzliche Verletzungen können den Langzeiterfolg einer Kreuzbandoperation gefährden.

Knorpel- und Meniskusverletzungen, die im Rahmen einer Ruptur des vorderen Kreuzbandes entstehen, erhöhen das Risiko für frühe arthrotische Veränderungen im Knie. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie des Australian Institute of Musculoskeletal Research in Sydney.

Die Studie untersuchte Langzeitergebnisse von Patienten mit vorderer Kreuzbandplastik mit einem Patellarsehnentransplantat. Insgesamt wurden 114 Patienten mit einer Operation nach der Flaschenzugtechnik im Mittel 13 Jahre lang nachbeobachtet. Das Kniegelenk wurde bis zu zehn Tage postoperativ ruhiggestellt, danach erhielten die Patienten Physiotherapie und nahmen an einem standardisierten Rehabilitationsprogramm teil. Der Op-Erfolg wurde subjektiv durch die Patienten bewertet, zudem wurde nach Kniebeugefähigkeit und Zufriedenheit gefragt. Die objektive Beurteilung erfolgte durch die klinische Untersuchung sowie durch die IKDC-Auswertung ipsi- und kontralateraler Röntgenaufnahmen.

Während der Beobachtungszeit zeigte sich bei den Patienten nach der Kreuzband-Operation eine gute klinische Stabilität im Kniegelenk. Auch die Patienten selbst waren mit dem Ergebnis zufrieden. Schlechte Bewertungen gaben vor allem solche Patienten ab, die bei ihrem Kreuzbandriss auch Knorpelverletzungen erlitten hatten, die bereits zuvor einmal wegen einer Knieverletzung operiert worden waren, die nicht mehr sportlich aktiv sein konnten oder bei denen schlechte radiologische Befunde vorlagen.

Gefährdung für Langzeiterfolg

Bei den Röntgenkontrollen zeigten sich in der Nachbeobachtungszeit in den operierten Knien signifikant mehr arthrotische Veränderungen als in den nicht operierten. Insgesamt wurden 33 Prozent der Knie nach ACL-Plastik in die radiologischen IKDC-Score-Kategorien C = abnormal und D = stark abnormal eingruppiert, hingegen nur 24 Prozent der kontralateralen Knie. Der negative Einfluss von Knorpel- und Meniskusverletzungen wie auch einer Meniskektomie auf das Langzeitergebnis zeigte sich auch bei den Röntgenuntersuchungen und wurde besonders deutlich durch die Ergebnisse einer Subgruppe, in der die Patienten außer der Kreuzbandruptur keine weiteren Verletzungen erlitten hatten.

Die Ergebnisse legen nahe, dass die Entwicklung und das Fortschreiten einer Arthrose durch begleitende Knorpelschäden beeinflusst werden. So können diese als wichtiger Risikofaktor für eine schlechte Langzeitprognose nach ACL-Rekonstruktion gelten. Allerdings müssen verschiedene Faktoren zusammentreffen, um die Progression einer degenerativen Erkrankung zu begünstigen.

 

Originalliteratur: Murray JRD et al. Am J Sports Med 2012; 40: 404–413

SpringerMedizin.de/cs/IS
, Ärzte Woche 18 /2012

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