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Foto: iStockphoto.com
Die Entbindung dauert immer länger.
 

Lahme Geburten

Frauen liegen heutzutage wesentlich länger im Kreißsaal als früher.

Frauen brauchen heute deutlich länger, um ihre Kinder auf die Welt zu bringen, als noch vor 50 Jahren. Bei der ersten Geburt dauert die Eröffnungsphase nun durchschnittlich 2,6 Stunden länger als zu Großmutters Zeiten, bei Zweitgebärenden zwei Stunden.

US-amerikanische Wissenschaftler verglichen die Daten von 39.491 Schwangeren aus den Jahren zwischen 1959 und 1966 mit denen von 98.359 Schwangeren, die zwischen 2002 und 2008 ihre Kinder zur Welt gebracht hatten.

Bei allen Frauen verliefen die Geburten ohne Komplikationen: Sie begannen termingerecht, es waren ausschließlich Einlingsschwangerschaften, und alle Kinder lagen mit dem Kopf nach unten.

Der Generationenvergleich brachte mehrere Unterschiede zutage: Die modernen Mütter waren im Durchschnitt drei Jahre älter (26,8 ±6,0 vs. 24,1 ±6,0 Jahre) und brachten mehr Gewicht auf die Waage als ihre Geschlechtsgenossinnen aus früheren Tagen. Der Body Mass Index der Gebärenden stieg innerhalb der 50 Jahre von 23 auf 24,9. Ähnlich wie ihre Mütter wogen auch die „modernen“ Babys bei der Geburt mehr, im Durchschnitt 90 Gramm, kamen aber durchschnittlich fünf Tage früher zur Welt.

Die Entbindungspraxis veränderte sich ebenfalls: Während in den Jahren 1959 bis 1966 vier Prozent der Gebärenden eine PDA erhielten, nahm zwischen 2002 und 2008 bereits jede zweite der Frauen eine Rückenmarksanästhesie in Anspruch. Die Ärzte unterstützten in den Jahren 2002 bis 2008 deutlich mehr Geburten mit Oxytocin (31 Prozent versus zwölf Prozent), als das früher der Fall war, und entschieden sich öfter für einen Kaiserschnitt (zwölf Prozent versus drei Prozent).

Auf den ersten Blick scheint das höhere Alter der Mütter die längere Geburtsdauer zu erklären, so die Autoren. Doch der Unterschied blieb, als das Alter in der Auswertung berücksichtigt wurde. Die Dauer der Geburt müsse mit anderen Faktoren in Zusammenhang stehen, folgern die Studienautoren und haben die intensivierte Geburtshilfe in Verdacht. Sie fordern, die gängige Praxis in den Kreißsälen zu überdenken. 

Literatur:

Laughon, S. K. et al.: Changes in labor patterns over 50 years. AJOG 2012; doi:10.1016/j.ajog.2012.03.003

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