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Noch ist eine Biopsie nötig, um den Zustand des Knorpelgewebes beurteilen zu können.
 
Chirurgie 24. April 2012

Knorpel-Messung: Scanner statt OP

Die Qualität von Knorpelgewebe kann auch ohne operativen Eingriff bestimmt werden – mithilfe der Diffusionsbildgebung in einem 3Tesla-Scanner.

Die operative Therapie von Knorpeldefekten ist ein vergleichsweise junges Forschungsfeld. Mitentscheidend für das langfristige postoperative Resultat ist die Qualität des neu entstehenden Knorpelreparaturgewebes. Um diese definitiv beurteilen zu können, ist eine Biopsie nötig.

Im Exzellenzzentrum Hochfeld-Magnetresonanz unter der Leitung von Siegfried Trattnig wird seit Jahren an der Entwicklung nicht-invasiver Untersuchungsmethoden gearbeitet, um die einzelnen Bestandteile des Gelenksknorpels messbar darstellen zu können. Nun wurden die zwei gängigsten Operationsmethoden für Knorpeldefekte am Sprunggelenk nachuntersucht. Die aufwändigere und teurere Methode besteht aus einer Knorpelzellentnahme, einer anschließenden Züchtung und Vermehrung im Labor und schließlich einer Re-Implantation in den Defekt. Bei der anderen Methode, der Knochenmark stimulierenden Methode, werden Löcher in den darunterliegenden Knochen gebohrt. Das durch diese Löcher austretende Blut bildet einen Blutschwamm im Defekt und wird im Verlauf zu einem Knorpelreparaturgewebe umgebaut.

Mithilfe der Diffusionsbildgebung konnten die WissenschafterInnen statistisch signifikante Unterschiede in der Ultrastruktur des Knorpelreparaturgewebes nach diesen zwei Operationsmethoden nachweisen, während herkömmliche morphologische und klinische Untersuchungen keinen Unterschied zeigten. Erstautor Apprich: „Mit der Diffusionsbildgebung konnten wir zeigen, dass das Knorpelreparaturgewebe nach der aufwändigeren Knorpelzelltransplantation mehr dem normalen, gesunden hyalinen Gelenksknorpel entspricht als jenes nach der Knochenmark stimulierenden Methode.“ Eine andere Anwendungsmöglichkeit dieser Bildgebungstechnik besteht in der präventiven Abklärung von Gelenksschäden, welche in Zukunft eine entscheidende Rolle in der Arthrosebehandlung spielen könnten.

Apprich S et al.: Journal of Osteoarthritis and Cartilage 2012; http://dx.doi.org/10.1016/j.joca.2012.03.008

 

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