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Foto: photos.com
Marathonlaufen erhöht das Risiko für Atemwegsinfekte – aber mit alkoholfreiem Bier können Läufer gegensteuern.
 
Sportmedizin 10. April 2012

Alkoholfreies Bier zum Marathon

Der Konsum alkoholfreien, aber polyphenolhaltigen Bieres senkt die Inzidenz von Infekten der oberen Atemwege nach dem Lauf.

Bier statt Antibiotika? Das könnte die Devise zum Beispiel für Marathon-Läufer werden, die ja oft nach der Belastung Infekte bekommen. Wichtig ist: Das Bier muss alkoholfrei sein, es sollte nicht bei einem bleiben, und es muss Polyphenole enthalten. Denn diese Phenole haben besondere Effekte auf Immunzellen.

 

Münchner Forscher haben bei Marathon-Läufern belegt: Der Konsum alkoholfreien, aber polyphenolhaltigen Bieres senkt die Inzidenz von Infekten der oberen Atemwege nach dem Lauf.

Dr. Johannes Scherr von der TU München und seine Kollegen haben ihre „Be-MaGIC“-Studie (Beer, Marathon, Genetics, Inflammation and the Cardiovascular system) streng placebo-kontrolliert angelegt: 277 männliche Teilnehmer des Münchener Marathons 2009 wurden randomisiert einer von zwei Studiengruppen zugeordnet. In beiden Gruppen sollten die Teilnehmer in den drei Wochen vor sowie in den zwei Wochen nach dem Marathon täglich 1–1,5 Liter alkoholfreies Bier trinken. In der Verum-Gruppe enthielt das Bier Polyphenole, in der Placebo-Gruppe war es polyphenolfrei.

Polyphenole sind aromatische Verbindungen, die in Obst, Gemüse, Wein und auch in nicht-alkoholischem Bier vorkommen, so etwa auch in dem alkoholfreien Weißbier, das in der Studie als Verum gewählt wurde. Eine polyphenolfreie Bier-Variante war das Placebo.

Die Hoffnung der Forscher war es, nachzuweisen, dass polyphenolhaltiges Weißbier antientzündliche Effekte hat und so auch Infekte der oberen Atemwege verhindern kann. Solche Infekte treten bekannterweise gehäuft nach schweren sportlichen Anstrengungen wie einem Marathon auf. Die vorübergehende Anfälligkeit gegenüber Krankheitserregern nach sportlichen Belastungen wird auch als „Open-Window“ bezeichnet.

Die Ergebnisse der Studie sind 2011 beim Kongress für Sportmedizin in Denver vorgestellt und kürzlich publiziert worden1: Unter „Verum“ ergaben sich bei der Untersuchung der Leukozyten sowohl direkt als auch 24 Stunden nach dem Rennen um 20 Prozent (signifikant) niedrigere Werte als unter Placebo. Auch war der Anstieg der IL-6-Konzentration nach dem Rennen in der Interventionsgruppe signifikant niedriger als in der Placebo-Gruppe. Die im polyphenolhaltigem Bier enthaltenen Stoffe wirkten ausgleichend auf das Immunsystem. „Wir konnten belegen, dass ein durch körperlichen Stress geschwächtes Immunsystem gestärkt wird und ein überschießendes gebremst wird“, so Scherr. Halten sich Marathonläufer streng daran, Tag für Tag mindestens 1 und maximal 1,5 Liter alkoholfreies, polyphenolhaltiges Bier zu trinken, haben sie in den zwei Wochen nach einem Marathon signifikant weniger Infekte der oberen Atemwege als bei Konsum von polyphenolfreiem Bier. Das Risiko, eine Erkältung zu bekommen, sei auf ein Drittel reduziert, so Scherr. Traten Erkältungen auf, verliefen sie bei Studienteilnehmern unter Verum milder oder kürzer als unter Placebo.

„Number Needed to Treat“ ist 8

Die Forscher haben auch die Number Needed to Treat ermittelt: Acht Personen mussten das Testgetränk erhalten, um eine Erkrankung zu verhindern.

 

1 Scherr, J. et al.: Nonalcoholic Beer Reduces Inflammation and Incidence of Respiratory Tract Illness. Medicine & Science in Sports & Exercise 2012; 44 (1): 18–26; doi: 10.1249/MSS.0b013e3182250dda

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