zur Navigation zum Inhalt
 

Impfung auch nach der Infektion

Forderung nach öffentlicher Finanzierung eines Kinderimpfprogramms gegen humane Papillomviren (HPV).

Bisher wurden in erster Linie junge Menschen als Zielgruppe für eine Impfung gegen die HPV-Infektion betrachtet. Aber auch bei Menschen, die bereits Erkrankungen in Folge einer HPV-Infektion hinter sich haben, kann die Immunisierung das Risiko für eine neuerliche HPV-assoziierte Krankheit verringern, wie Mediziner betonen.

 

In einer aktuellen Studie – unter der Leitung von Prof. Dr. Elmar Joura (Universitätsklinik für Frauenheilkunde, MedUni Wien) – wurde festgestellt, dass die HPV-Impfung auch bei bereits Erkrankten wirkt. Diese Patientengruppe hat generell ein erhöhtes Risiko für weitere HPV-assoziierte Erkrankungen, wie die MedUni Wien mitteilt.

Eine Analyse der Studiendaten von 17.000 Frauen im Alter zwischen 16 und 26 Jahren mache deutlich, dass das Risiko einer neuerlichen Erkrankung durch die Impfung um zwei Drittel gesenkt werde, erklärt Joura.

Finanziertes Programm gefordert

Wie heimtückisch der HPV-Wirkungsmechanismus ist, schildert Ursula Wiedermann-Schmidt, Leiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der MedUni Wien: „Eine Infektion mit HPV verläuft zunächst langsam, unentdeckt und ohne Krankheitssymptome, bis es schließlich zu Krebs kommt.“

Joura befürwortet daher – wie die Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe OEGGG – eine öffentliche Finanzierung eines Kinderimpfprogramms. Eine dahingehende Empfehlung des Obersten Sanitätsrats gebe es bereits seit 2007.

Nicht nur für Junge

Die Impfung sei indes nicht nur für junge Menschen ratsam, so Joura: „Es gibt Wirksamkeitsdaten bis zum 45. Lebensjahr, daher ist für alle bis 45 eine Impfung zu empfehlen.“ Sie schütze schließlich nicht nur vor Gebärmutterhalskrebs, sondern auch vor anderen Krebsarten, wie dem Analkarzinom bei Männern und Frauen.

Ohne Alterslimit

Auf einer Pressekonferenz zur HPV-Impfung anlässlich des internationalen Frauentages am 8. März hatte OEGGG-Präsident Prof. Dr. Christian Marth überhaupt eine Empfehlung „ohne Alterslimit nach oben“ abgegeben. 

 

Joura, E. et al.: Effect of the human papillomavirus (HPV) quadrivalent vaccine in a subgroup of women with cervical and vulvar disease: retrospective pooled analysis of trial data. British Medical Journal 2012; 344: e1401; doi: 10.1136/bmj.e1401

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben