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Gastroenterologie 21. März 2012

Magenkrebs in der Familie

Koreanische Studie: Gute Prognose, wenn die Anamnese passt.

Wenn es um die Prognose von Magenkrebspatienten im Stadium III oder IV nach einer Operation geht, gab es bisher keine einheitlichen Aussagen darüber, welche Aussagekraft für die Patienten eine solche Krebserkrankung bei Familienmitgliedern ersten Grades hat. Koreanische Onkologen haben jetzt in einer retrospektiven Studie eine Assoziation mit einem verbesserten Überleben nach einer Operation mit kurativer Intention festgestellt und bestätigen damit frühere Studienergebnisse.

 

Das persönliche Risiko, an Magenkrebs zu erkranken, ist etwa 3,7-mal größer, wenn ein Familienmitglied ersten Grades – also Eltern, Kinder, Geschwister – bereits an einem Magenkarzinom erkrankt ist. Südkoreanische Onkologen haben jetzt in einer großen retrospektiven Studie geprüft, ob eine solche Familienanamnese mit einer besseren Prognose bei solchen Patienten assoziiert ist, die wegen eines Adenokarzinoms des Magens mit kurativer Intention operiert worden waren. Für die Studie wurden Daten von 1.273 Patienten ausgewertet, von denen 263 Studienteilnehmer Familienangehörige ersten Grades mit einem Magenkarzinom hatten.

Signifikante Unterschiede nur bei späten Erkrankungsstadien

Ähnlich wie bei Patienten mit Brust- oder Darmkrebs waren fünf Jahre nach Studienbeginn in der koreanischen Studie die Gesamtüberlebensrate (OS), die Überlebensrate ohne Rezidiv (RFS) und die Überlebensrate ohne Krankheitszeichen (DFS) deutlich höher bei Patienten mit einem an Magenkrebs erkrankten Elternteil, Geschwister oder Kind. Vergleichsgruppe waren Magenkrebspatienten ohne positive Familienanamnese.

Signifikante Unterschiede bei diesen Parametern im Vergleich zu Patienten ohne entsprechende Familienanamnese gab es allerdings nur bei Patienten in den fortgeschrittenen Erkrankungsstadien III und IV. Hier lagen die adjustierten HR-Werte (Hazard Ratio) für den Parameter OS bei 0,47, für DFS bei 0,49 und für RFS bei 0,51. Herausgerechnet wurden unter anderem die Parameter Alter, Rauchen, Tumorgröße und -lokalisation sowie Lymphknotenmetastasen.

Um gesunde Lebensweise bemüht

Auch wenn die positive Assoziation in dieser Studie bestätigt wurde, ist noch immer unklar, wie eine positive Familienanamnese die Prognose verbessert. Eine Erklärung könnte den koreanischen Onkologen zufolge sein, dass Magenkrebspatienten, die ebenfalls daran erkrankte Verwandte ersten Grades haben, sich mehr als andere um eine gesunde Lebensweise bemühen.

Mikrosatelliteninstabilität mit schützendem Effekt

Eine andere Erklärung könnte ihrer Ansicht nach die Mikrosatelliteninstabilität sein – das sind Längenveränderungen in der DNA –, die bei etwa einem Drittel der Magenkrebspatienten vorkommt und die mit einer verbesserten Gesamtprognose assoziiert ist. Die Mikrosatelliteninstabilität hat wie bei Patienten mit einem Kolonkarzinom offenbar einen schützenden Effekt.

 

Han, M. A. et al.: Association of Family History With Cancer Recurrence and Survival in Patients With Gastric Cancer. Journal of Clinical Oncology 2012; 30 (7): 701-708. doi:10.1200/JCO.2011.35.3078

Springermedizin.de
, Ärzte Woche 12 /2012

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