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Sportmedizin 28. Februar 2012

Gefahren für Snowboardanfänger

Sanfte Pisten, aber schwere Kopfverletzungen.

Für Snowboard-Neulinge bergen gerade sanfte Abhänge eine besondere Gefährdung. Japanische Forscher fanden eine Häufung schwerer Kopfverletzungen.

 

Forscher des Saito Memorial Hospital und des Yuzawa Community Health Memorial Center erhoben Daten von 959 Snowboard-Anfängern und 1.408 fortgeschrittenen Snowboardfahrern, und zwar zu Unfallumständen und -ursachen, zur Lokalisation der Verletzungen, zu neurologischen Befunden und chirurgischen Maßnahmen sowie zum Einfluss eines Kopfschutzes. Die Autoren fanden klare Differenzen: So waren 70 Prozent der Anfänger (Gruppe B = Beginners) auf flachen oder mittleren Steigungen gestürzt, die Fortgeschrittenen (Gruppe IE = Intermediates/Experts) hatten sich vor allem bei Sprüngen verletzt (48 %).

Kollisionen mit Bäumen

In beiden Gruppen lagen okzipitale Läsionen eindeutig vorn (56 und 44 %), die Gesichtspartie war bei den besseren Fahrern signifikant häufiger betroffen (22 versus 15 %), in dieser Gruppe fanden sich zudem deutlich mehr Fälle von traumatischer Amnesie (34 %) und Bewusstlosigkeit (16 %) als bei den Rookies (24 oder 11  %).

Als Unfallursache bei den schwerverletzten „Profis“ spielten neben den Sprüngen vor allem auch Kollisionen, in erster Linie mit Bäumen, aber auch mit anderen Snowboardern oder Skifahrern eine Rolle (32 % der Patienten mit auffälligen Befunden im CT). Operativ versorgt werden mussten zehn Patienten der B-Gruppe (1 %), vier von ihnen trugen eine leichte Behinderung davon, für zwei endete das Abenteuer im Koma, zwei weitere starben. Unter den besseren Fahrern landeten fünf im OP (0,4 %), zwei waren danach leicht, einer schwer behindert, einer starb.

Was auffällt: Die neurologischen Verletzungen waren bei den Könnern im Schnitt zwar schwerer als bei den Anfängern, letztere erlitten jedoch mehr subdurale Hämatome (53 % der Anfänger mit neurologischen Befunden im CT); dabei hatten die meisten dieser Patienten (28 von 29) keine begleitende Gehirnerschütterung.

Das Opposite-Edge-Phänomen

Die IE-Gruppe hatte sich deutlich mehr Frakturen im Kopfbereich zugezogen (55 % der Fortgeschrittenen mit neurologischen Befunden), ebenso signifikant mehr epidurale Hämatome (sechs) und mehr Gehirnerschütterungen (11 %).

Die Erklärung der Autoren für die Häufung der subduralen Hämatome bei den „Rookies“ basiert auf bekannten Tatsachen: Wer noch keine Erfahrung im Snowboarden hat, kann nicht adäquat auf das „Opposite-Edge“-Phänomen reagieren. Dabei kann es gerade auf flachen Hängen wegen des geringen Abstands der bergseitigen Snowboardkante zur Hangoberfläche zu einer schnellen Rotation des Bretts nach hinten kommen; der ungeübte Fahrer fällt, und zwar bevorzugt auf den Hinterkopf.Aufgrund der Rotationskräfte bildet sich im Kopf des Snowboarders ein Spalt zwischen Hirnparenchym und Schädeldecke; dadurch werden verbindende Gefäße geschädigt, was zur Einblutung führt. Bessere Fahrer stürzen dagegen aus größeren Höhen (aus dem Sprung heraus), was zu einem viel heftigeren Aufprall führt, so die Erklärung für die häufigeren Frakturen und Gehirnerschütterungen sowie für das häufigere Auftreten von Trauma und Bewusstlosigkeit in dieser Gruppe. Hätte ein Helm die Fahrer schützen können? In der Studie hatten die meisten Snowboarder Strickmützen getragen, einen Helm hatten nur neun Prozent der Fortgeschrittenen und nicht einmal zwei Prozent der Anfänger aufgehabt. Keiner der Patienten, die zum Zeitpunkt des Unfalls „behelmt“ waren, benötigte einen chirurgischen Eingriff.

 

Literatur: Am J Sport Med 2011; 39: 2656 - 2661

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