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Adipositas nimmt nicht allgemein zu, jedoch bei Älteren mit wenig Bildung.
 
Endokrinologie 6. Februar 2012

Langzeituntersuchung: Keine generelle Zunahme von Adipositas

Zielgruppenspezifische Präventionsmaßnahmen in Österreich notwendig.

Das Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie der MedUni Graz führte erstmals eine Langzeituntersuchung zu Adipositas in Österreich durch. Anhand einer repräsentativen Stichprobe der österreichischen Bevölkerung wurde die Entwicklung von Fettleibigkeit über einen Zeithorizont von 24 Jahren genau untersucht.

Dabei zeigte sich, dass vor allem die Personengruppe 55+ mit niedrigem Bildungsniveau über die Studienperiode hinweg die höchste Zunahme an Adipositaserkrankten verzeichnete. Bei Akademikern im mittleren Erwachsenenalter nahm die Adipositasrate nur minimal zu. Somit zeigt sich, dass verschiedene Bevölkerungsgruppen sehr unterschiedlich von einer Zunahme der Adipositas betroffen sind, also kein genereller Trend vorliegt.

 

Für die vorliegende Studie wurden 122.977 Interviews von Österreichern (65.318 Frauen und 57.659 Männer) in Privathaushalten und Langzeitpflegeeinrichtungen ausgewertet. Diese Daten stammen aus vier nationalen Erhebungen, die zwischen 1983 und 2007 (Anmerkung: die letzte nationale Erhebung erfolgte 2007, die nächste ist 2013 geplant) durchgeführt wurden.

Für die Auswertung wurden vier Altersgruppen (20-34, 35-54, 55-74, 75+) sowie drei Bildungsniveaus (niedrig = Pflichtschulabschluss, Lehrabschluss oder berufsbildende mittlere Schule, mittel = Maturaabschluss, hoch = Akademiker) definiert. Weiters wurden auch das Geschlecht und die Region berücksichtigt. Der Body-Mass-Index, welcher sich aus Gewicht in Kilogramm im Verhältnis zur Körpergröße in Meter berechnet (BMI = kg/m²), diente als Messgröße für Fettleibigkeit.

Pensionisten der unteren Bildungsschicht

Die Ergebnisse der Auswertung zeigen, dass die Fettleibigkeit innerhalb dieser 24 Jahre – abhängig von den verschiedenen Bevölkerungsgruppen – sehr unterschiedlich anstieg. Betrachtet man die gesamte Stichprobe – unabhängig von den Untergruppen –, waren 1983 zehn Prozent der Frauen und 8,5 Prozent der Männer adipös. 2007 bereits 15 Prozent der Frauen bzw. 13,8 Prozent der Männer. Vor allem die Personengruppe 55+ mit niedrigem Bildungslevel (höchste abgeschlossene Schulbildung: Pflichtschule/Lehre bzw. berufsbildende mittlere Schule) hatte über die Studienperiode hinweg den höchsten Anstieg an Adipositaserkrankten.

Litten 1983 17,2 Prozent Frauen bzw. 11,7 Prozent Männer an Fettleibigkeit, waren es 2007 bereits 26,6 Prozent Frauen bzw. 21,8 Prozent Männer. „Viele Rentner, die in ihrer beruflichen Tätigkeit oftmals körperlich aktiver waren als Personen mit höherem Bildungsabschluss, fallen in diese Gruppe. Diese Personen sind besonders gefährdet, an Fettleibigkeit zu erkranken.

Fettleibigkeit im Alter führt häufig zu Immobilität, senkt die Lebensqualität, erhöht die Pflegeabhängigkeit und verursacht hohe Kosten im Gesundheits- und Sozialpflegebereich. Aufgrund des demographischen Wandels und der dadurch steigenden Anzahl der älteren Bevölkerungsschicht ist es notwendig, präventive Maßnahmen für diese spezielle Untergruppe zu planen, um die Rate der Fettleibigen zu senken“, so die Studienautorin Franziska Großschädl, MSc, BSc.

Eine minimale Zunahme gab es in der Gruppe der Akademiker im mittleren Erwachsenenalter: Litten 1983 2,5 Prozent Frauen bzw. 3,5 Prozent Männer an Fettleibigkeit, waren es 2007 5,7 Prozent Frauen bzw. 6,9 Prozent Männer.

Ost-West-Gefälle

Innerhalb Österreichs konnte während des 24-jährigen Untersuchungszeitraums ein deutliches Ost-West-Gefälle bestätigt werden. In der Region um Wien, Niederösterreich und Burgenland ist der Anteil der Fettleibigen im Lande am größten. Die meisten davon leben im Burgenland. Im Jahr 2007 waren beinahe ein Viertel der burgenländischen Frauen (22,8%) und 19,8 Prozent der burgenländischen Männer fettsüchtig. Die niedrigste Adipositasrate war 2007 bei den Tirolerinnen (9,7%). Die wenigsten fettleibigen Männer gab es im selben Jahr in Kärnten (8,8%).

Zielgruppenspezifische Präventionsmaßnahmen

„Präventive Maßnahmen im Kampf gegen die Fettleibigkeit sollten in Österreich zielgruppenspezifisch geplant werden, um in Zukunft einen rückläufigen Trend verzeichnen zu können. Eine bevölkerungsweite Adipositasprävention ist in Österreich nicht notwendig“, so die Studienautoren. 

 

Quelle: MedUni Graz

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