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Dialyse-Patienten profitieren offenbar nicht von einem hohen HDL-Cholesterinwert. Ein neuer Labortest soll genauer Aufschluss darüber geben.
 
Nephrologie 19. Jänner 2012

Die böse Seite des „guten“ Cholesterins

Wichtiger als die Quantität ist einmal mehr die Qualität.

Forscher der Medizinischen Universität Wien fanden heraus, dass die antientzündliche Wirkung von HDL bei Patienten mit Niereninsuffizienz nicht gegeben ist.

 

Eine Analyse des HDL bei Dialyse-Patienten ergab, dass das Serum Amyloid A (SAA) bei diesen Personen deutlich erhöht war. SAA wird von den Forschern als „sehr wahrscheinliche Ursache“ für den Defekt des HDL gesehen. Diese Entdeckung könnte die Bewertung von HDL-Cholesterin verändern. Bisher wird ein hoher HDL-Wert als optimal angesehen. „Viel wichtiger als die Menge ist aber offensichtlich die Qualität des HDL. Nicht funktionsfähiges HDL-Cholesterin ist wertlos – selbst hohe HDL-Spiegel wären damit nicht mehr gesund“, sagt Dr. Thomas Weichhart. „Das Senken des LDL-Wertes ist deshalb noch immer wichtiger als das Anheben des HDL-Wertes“, ergänzt sein Kollege Dr. Marcus Säemann.

Allerdings ist es derzeit nicht möglich, mit einfachen Tests „böses“ HDL rasch zu identifizieren. An der Entwicklung eines derartigen Tests arbeiten Weichhart und Säemann derzeit. Mit dem neuen Labortest könnte untersucht werden, ob verändertes HDL bei niereninsuffizienten Patienten in einem frühen Erkrankungsstadium mit einer schlechteren Prognose einhergeht, und ob dies zum Beispiel bei Patienten mit Diabetes oder nach Herzinfarkt auch passiert. Damit wäre es mit Hilfe eines einfachen Testprinzips möglich, zu einem frühen Zeitpunkt therapeutisch zu intervenieren und damit die Gesamtprognose entscheidend zu verändern, meinen die Forscher.

Die Studie mit dem Titel „The proteomic signature of dysfunctional uremic HDL identifies SAA as proinflammatory component“ von Weichhart et al. wird im Journal of the American Society of Nephrology publiziert werden.

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