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Foto: Archiv
In Nasennebenhöhlen wurden Bakterien und Leukozyten bestimmt.
 
HNO 10. Jänner 2012

Chronische Sinusitis: Bakterielle Besiedelung oder Infektion?

Forscher hinterfragen Antibiotika-Einsatz.

Ein kroatisches Forscherteam ist der Frage nachgegangen, welche Bakterien in chronisch entzündeten Nasennebenhöhlen gefunden werden. Die Wissenschaftler vertreten die Auffassung, dass weniger von einer infektiösen, sondern vielmehr von einer chronisch-entzündlichen Erkrankung gesprochen werden müsse, und ziehen Schlüsse für die Therapie.

 

Ziel der Studie war die Bestimmung von Bakterien in den maxillaren oder ethmoidalen Nasennebenhöhlen bei Patienten mit chronischer Sinusitis sowie die Korrelation dieser Ergebnisse mit Bakterien, die gleichzeitig bei diesen Patienten im Nasopharynx vorkommen.

Der Zweck dieser Korrelation war es, die Rolle der in chronisch entzündeten Nasennebenhöhlen vorkommenden Bakterien zu definieren und zu prüfen, ob die vorhandenen Bakterien die Schleimhaut der Nasennebenhöhlen besiedeln oder infizieren.

Abstriche aus dem Nasopharynx und aus den Nasennebenhöhlen von 65 Patienten, bei denen eine funktionelle endoskopische Sinus-Operation gemacht worden war, wurden kultiviert. Gleichzeitig wurde auf das Vorhandensein von Leukozyten in den Abstrichen geprüft.

Die im Nasopharynx am häufigsten gefundenen Bakterien waren Staphylococcus aureus, Staphylococcus epidermidis, Streptococcus spp, Streptococcus viridans und Streptococcus pneumoniae. Die maxillaren beziehungsweise ethmoidalen Abstriche ergaben ein Wachstum von Bakterien bei 47 (72,3 Prozent) der Patienten. In den Nasennebenhöhlen wurden folgende Bakterien am häufigsten gefunden: Staphylococcus epidermidis, Staphylococcus aureus, Klebsiella spp. and Streptococci (pneumoniae, viridans and spp.).

Sowohl in den Abstrichen aus dem Nasopharynx als auch aus den Nasennebenhöhlen war die gefundene Leukozytenzahl nicht signifikant.

Alle über chronische Sinusitis publizierten mikrobiologischen Studien ergaben eine bakterielle Besiedelung und keine Infektion der Sinus mukosa. Trotzdem wurde eine antibiotische Therapie ohne Unterschied, ob eine Infektion oder Entzündung vorliegt, diskutiert.

Die Autorinnen und Autoren der Studie vertreten den Standpunkt, dass die chronische Sinusitis als eine chronisch-entzündliche Erkrankung aufgefasst werden sollte und nicht als eine infektiöse Erkrankung.

Eine routinemäßige antibiotische Therapie sollte daher vermieden werden. Eine empirische antibiotische Therapie ist nur bei Patienten indiziert, die eine akute Exazerbation ihrer chronischen Sinusitis durchmachen, wobei Antibiotika gegen die Keime, die die übliche akute Sinusitis verursachen, eingesetzt werden sollten.

Bei Therapieversagen sollte auf andere Antibiotika gewechselt werden, wobei man sich dessen bewusst sein sollte, dass jedes Bakterium, das die Sinus mukosa besiedelt, eine akute Exazerbation einer chronischen Sinusitis auslösen kann.

 

Pandak, N. et al.: Bacterial colonization or infection in chronic sinusitis. Wiener Klinische Wochenschrift 2011; 123: 710–3; doi: 0.1007/s00508-011-0093-x

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