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Augenheilkunde 29. November 2011

Schonende Hornhaut-Operation

In den USA entfällt bereits ein Drittel der Transplantationen auf neue chirurgische Verfahren.

Neue Operationstechniken machen es möglich, den Austausch einer getrübten Augenhornhaut nur auf die erkrankte Hornhautschicht zu beschränken, so dass nicht mehr die gesamte Hornhaut transplantiert werden muss.

 

Ist die Hornhaut des Auges eingetrübt – etwa durch eine Verletzung –, kann ein Transplantat dem Patienten seine Sehfähigkeit zurückgeben. Bislang tauschte der Operateur dafür die gesamte Hornhaut gegen eine Spenderhornhaut aus. Diese perforierende Keratoplastik hat ein paar Schwachstellen: Die Fäden, die das Transplantat während der Heilung mit dem Auge verbinden, begünstigen Infektionen. Auch ändert sich nach dem Eingriff mitunter die Krümmung der Hornhaut. Diese Nebenwirkungen ließen sich vermeiden, wenn statt der gesamten Hornhaut nur der erkrankte Teil ersetzt würde. Dies ist bei einigen im Alter häufigen Augenerkrankungen möglich, da sie nur das Endothel betreffen.

„Früher musste die Hornhaut aufgeklappt werden, um das innen liegende Endothel zu entfernen“, berichtet Professor Dr. Thomas Reinhard, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Augenklinik Freiburg. In den letzten Jahren haben Forscher Operationstechniken entwickelt, bei denen der Arzt nur das Endothel und die angrenzende Descemet-Membran entfernt.

Descemet Stripping Automated Endothelial Keratoplasty

Am bekanntesten ist die Descemet Stripping Automated Endothelial Keratoplasty (DSAEK). Sie sei aber nur eine von mehreren heute verwendeten Operationstechniken, sagt Reinhard. Heute erfolge der Eingriff durch eine kleine Öffnung in der Hornhaut: „Es sind keine Nähte notwendig, die Krümmung der Hornhaut bleibt erhalten.“ Viele Patienten benötigten zudem nach der Operation keine Brille und die Erholungszeit verkürze sich auf wenige Wochen. Bei der perforierenden Keratoplastik könne es hingegen wesentlich länger dauern, bis die Patienten wieder gut sehen.

In den USA entfällt bereits ein Drittel der Hornhauttransplantationen auf die neuen Operationsverfahren. Die DOG bemerkt jedoch, dass die neuen Techniken noch weiterentwickelt werden müssten, da nicht bei allen Patienten die gleiche Sehstärke erreicht wird wie beim herkömmlichen Verfahren. Ein optimales Ergebnis sei nur möglich, wenn sich das hauchdünne Transplantat faltenfrei an die Hornhaut anlegt. Dies wird durch Einspritzen von Luft in die vordere Augenkammer unterstützt. „Die Patienten benötigen Geduld. Sie müssen die erste Zeit nach der Operation in strenger Rückenlage im Bett verbringen“, sagt Prof. Dr. Christian Ohrloff, Pressesprecher der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG).

Den Krankheitsbildern entsprechend entscheiden sich Augenärzte häufig bei älteren Menschen für die neuen Verfahren. Bei jüngeren Patienten kommt eher die klassische Hornhauttransplantation infrage. Sie ist immer dann ohne Alternative, wenn größere Anteile der Hornhaut beschädigt sind. DOG/PH

 

Reinhard, T.: Ophthalmologe 2011; doi:10.1007/s00347-011-2329-6

Heinzelmann, S. et al.: Ophthalmologe 2011; doi:10.1007/s00347-011-2330-0

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