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Foto: photos.com
 
Dermatologie 31. Oktober 2011

Jucken ist ansteckend

Beobachtet man eine Person, die sich kratzt, verursacht dies Juckreiz beim Betrachter.

Dieses Phänomen bestätigt eine Studie, in der 25 Probanden verschiedenen Stimuli ausgesetzt wurden: Nach der Applikation von Histamin oder Kochsalzlösung in den Unterarm sahen sie entweder ein Video, in dem sich jemand am Unterarm kratzte, oder sie sahen ein Video, in dem dieselbe Person bewegungslos dasaß.

Elf Probanden litten an atopischer Dermatitis, die anderen hatten keine Hauterkrankung. Bei den Atopikern verstärkte das Video mit der sich kratzenden Person den Juckreiz: Selbst wenn sie nur Kochsalzlösung erhalten hatten, erhöhte sich der Juckreiz auf einer visuellen Analogskala von 0,82 auf 2,51. Sie kratzten sich doppelt so lang wie beim Betrachten des neutralen Videos.

Bei den Kontrollpersonen war dieser Effekt hingegen nur schwach ausgeprägt. Bei den Dermatitis-Patienten mit Histaminstimulus verdoppelte sich ebenfalls die Kratzzeit, wenn sie statt des neutralen Films die Bildsequenz mit dem kratzenden Menschen betrachteten.

Die Autoren der Studie nennen als Erklärung die Aktivität von Spiegelneuronen im präfrontalen Kortex, die bei dieser Form der Übertragung von Bedeutung sein könnten.

Alternativ wäre ein Nocebo- oder „Pruricebo“-Effekt möglich, bei dem afferente Impulse, die gar nicht mit Juckreiz in Zusammenhang stehen, fehlinterpretiert werden

Papoiu, A. D. P. et al: British Journal of Dermatology 2011; 164 (6): 1299–1303

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