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Onkologie 30. August 2011

Radioaktive Trojaner tricksen Metastasen aus

Die Peptidrezeptor-Radionuklid-Therapie (PRRT) wird mit Erfolg bei neuroendokrinen Tumoren angewandt. Sie wirkt auch auf Knochenmetastasen von Betroffenen, haben Forscher jetzt festgestellt.

Forscher der Universitätskliniken Bonn und British Columbia, Kanada, haben 42 Patienten mit neuroendokrinen Tumoren und Knochenmetastasen mit PRRT behandelt. Die Ärzte schleusten dabei in die Tumore das radioaktive Isotop 177-Lutetium als Trojaner ein; so werden die Krebszellen von innen zerstört. Dabei machten sie sich zunutze, dass die Tumore an ihrer Oberfläche massenhaft Andockstellen für bestimmte Eiweiße haben. Diese Eiweiße beluden die Forscher mit Lutetium. Da dieses nicht weiter als etwa einen Millimeter strahlt, können Tumore damit gezielt zerstört werden, ohne Nachbargewebe zu schädigen, wie die Autoren erklären.

Bei etwa der Hälfte der Patienten bildeten sich die Knochenmetastasen zurück, bei einem weiteren Drittel blieben sie stabil. Bei zwei Behandelten verschwanden die Metastasen komplett. Es sei ein durchschnittlicher Wachstumsstop von 35 Monaten beobachtet worden. Außerdem deuteten die Ergebnisse der PRRT-Therapie auf ein verlängertes Überleben der Patienten hin. „Während andere Chemotherapien die Ausbreitung der Metastasen im Schnitt bis zu einem Jahr bremsen, gelang dies mit den radioaktiven Trojanern mindestens drei Mal so lange – und das selbst bei Knochenmetastasen“, so Erstautor Dr. Samer Ezziddin vom Universitätsklinikum Bonn. Auch Patienten mit vielen Knochenmetastasen und schwächerer körperlicher Verfassung profitierten noch von der Therapie – ein Hinweis darauf, dass die Behandlung auch bei weit fortgeschrittenen Stadien noch erfolgreich angewendet werden könne, so die Autoren. Als Nebenwirkungen träten anfangs etwa vermehrter Stuhlgang oder eine leichte Übelkeit auf. Auch könne es während der Verabreichung des Lutetiums zu einer geringen Abgeschlagenheit kommen.

Ezziddin, S. et al.: Journal of Nuclear Medicine 2011; 52 (8): 1197–203; do

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