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Allgemeinmedizin 13. April 2011

Erwartung bestimmt die Wirkung

Eine Schmerztherapie wirkt deutlich besser, wenn Patienten sich viel von der Behandlung versprechen. Haben sie dagegen keine oder gar eine schlechte Erwartung an die Therapie, wird der Schmerz nur wenig bis gar nicht gelindert.

22 gesunde Probanden zwischen 20 und 40 Jahren wurden mehrfach für einige Sekunden einem kontrollierten Hitzereiz ausgesetzt, der zu einem mittleren bis starken Schmerz (durchschnittlich 70 auf einer Skala von 0 bis 100) führte. Während des Versuchs erhielten die Testpersonen mittels Infusion ein stark wirksames, opioidhaltiges Schmerzmittel (Remifentanil) in drei verschiedenen Bedingungen: In der ersten bekamen die Probanden das Schmerzmittel in einer „verdeckten“ Infusion, rechneten also nicht mit einer Schmerzlinderung. Die Schmerzintensität sank auf etwa 60 von 100. „Wenn wir den Probanden dann in der zweiten Bedingung mitteilten, dass ihnen jetzt das Medikament verabreicht wird, verdoppelte sich der schmerzlindernde Effekt der identischen Medikamentendosierung“, erklärt Studienautorin PD Dr. Ulrike Bingel, Neurologin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Die Schmerzintensität sank in der Erwartung einer Behandlung auf unter 50. Gänzlich aufgehoben wurde der schmerzlindernde Effekt des potenten Schmerzmittels, wenn den Probanden in der dritten Bedingung gesagt wurde, dass sie keine Therapie mehr erhielten und es gleich stärker schmerzen könnte. Obwohl ihnen ohne ihr Wissen weiter das Analgetikum verabreicht wurde, schnellte die Schmerzintensität wieder auf den Ausgangswert an. Dr. Bingel: „Die negative Erwartung und die Angst vor dem Schmerz haben den Effekt des Medikaments vollständig zerstört. Der Schmerz war bei den Probanden genauso stark, als hätten sie überhaupt kein Medikament bekommen.“

Bingerl, U. et al.: Science Translational Medicine 2011; 3(70): 70ra14; doi:10.1126/scitranslmed.3001244

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