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Die exekutive kognitive Funktion scheint vom Sport zu profitieren.
 
Allgemeinmedizin 6. April 2011

Bewegliche Füße, beweglicher Kopf

Ältere Marathonläufer schneiden bei manchen Kognitionstests besser ab als unsportliche Senioren.

Umfassendes Ausdauertraining, wie Laufen oder Radfahren, könnte die Erhaltung der kognitiven Funktionen von älteren Menschen unterstützen, wie eine österreichische Studie zeigt.

 

Die APSOEM-Studie (Austrian Prospective cohort Study in cognitive function of Elderly Marathon-runners) ist eine prospektive Kohortenstudie, welche die neurokognitiven Leistungsergebnisse von älteren Marathonläufern oder Radfahrern mit einer Kontrollkohorte verglich.

Das Ziel war, festzustellen, ob intensives Ausdauertraining mit einer verbesserten kognitiven Leistungsfähigkeit verbunden ist, und ob BDNF (brain-derived neurotrophic factor) und IGF (insulin-like growth factor) durch das Training erhöht werden.

In die Studie wurden 56 aktive ältere Marathonläufer oder Radfahrer über 60 Jahre aufgenommen und mit einer inaktiven Kontrollgruppe von 58 Personen verglichen.

Der Einfluss von Ausdauertraining auf kognitive Funktionen wurde durch die Vienna-Neuropsychologische-Testbatterie (VNTB) und die CERAD-Testbatterie (Consortium to Establish a Registry for Alzheimer’s Disease) gemessen. Außerdem wurden folgende Werte analysiert: humorale Wachstumsfaktoren (BDNF und IGF-1), Apo-ε4-Carrierfrequenz und Selbsteinschätzung der Probanden.

Die Querschnittsdaten unterstützen die Hypothese, dass umfassendes Ausdauertraining für die Erhaltung der kognitiven Funktionen von älteren Menschen nützlich ist. Die Leistung der älteren Marathongruppe war allerdings nur bei einer spezifischen kognitiven Aufgabe signifikant besser als die Kontrollgruppe, dem Five-Point-Test, der die nonverbale Flüssigkeit misst, eine exekutive kognitive Funktion (p = 0,04). Beim sogenannten Stroop-Test aus dem Nürnberger Altersinventar (NAI) schnitten die Sportler deutlich, aber nicht signifikant besser ab (p = 0,08). Bei diesem Test wird die Interferenzneigung beurteilt, also die Fähigkeit, widersprüchliche Stimuli zu verarbeiten. Umfassendes Ausdauertraining könnte demnach die Erhaltung der kognitiven Funktionen von älteren Menschen unterstützen, wobei Längsschnittdaten dazu noch erhoben werden müssten.

Die möglichen positiven Wirkungen von Ausdauertraining in der Kohorte hingen in der Analyse in keiner Weise mit einer Hochregulierung von BDNF (brain-derived neurotrophic factor) und IGF (insulin-like growth factor) zusammen. Weder BDNF noch IGF-1 hatten einen Bezug zur Dauer des täglichen Ausdauertrainings, und kein Unterschied wurde bei den Basalwerten dieser Wachstumsfaktoren in den Trainings- und Kontrollkohorten gefunden. „Da wir reduzierte BDNF-Werte bei Personen mit einer positiven Familiengeschichte von Alzheimer fanden, vermuten wir, dass eine BDNF-Senkung einer kognitiven Beeinträchtigung vorausgeht“, schreiben die Autoren

Die gegenwärtige Studie hat auch einen interessanten Aspekt gezeigt, der nicht in der Studienhypothese formuliert wurde. Bei Personen mit Alzheimer-Krankheit in der Familie wurden trotz normaler kognitiver Leistung bereits deutlich signifikant reduzierte BDNF-Werte gefunden (p = 0,01).

 

Winker, R. et al.: Cognitive function in elderly marathon runners: Cross-sectional data from the marathon trial (apsoem). Wiener Klinische Wochenschrift 2010; 122: 704–16; doi:10.1007/s00508-010-1485-z

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