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Urologie 16. März 2011

Verhaltenstherapie nach Prostatektomie

Beckenbodentraining, Blasenkontrolle und Flüssigkeitsmanagement nützen Männern.

Nicht selten werden Männer, die sich einer radikalen Prostatektomie unterziehen müssen, anschließend inkontinent. Eine weitere Operation kann zwar Abhilfe schaffen, aber offensichtlich kommt man auch weniger invasiv zum gewünschten Erfolg – allein mit Verhaltenstherapie.

 

Inkontinenz ist eine gefürchtete Folge der radikalen Prostatektomie. Über 65 Prozent der Patienten leiden auch noch fünf Jahre danach darunter – ein enormer Leidensdruck.

Dabei kann man den Betroffenen relativ einfach helfen, wie Prof. Dr. Patricia S. Goode, University of Alabama, Birmingham Center of Aging, und ihre Mitarbeiter in einer prospektiven randomisiert-kontrollierten Studie herausfanden. Allein mit Verhaltenstherapie – also Training der Beckenbodenmuskulatur, Techniken zur Blasenkontrolle und Flüssigkeitsmanagement – ist es möglich, die Inkontinenz-Episoden deutlich zu reduzieren.

Ein Jahr Nachbeobachtung

Insgesamt nahmen 208 Männer zwischen 51 und 84 Jahren teil, die aufgrund einer radikalen Prostatektomie seit mehr als einem Jahr inkontinent waren. Sie wurden in drei Gruppen randomisiert und erhielten entweder acht Wochen Verhaltenstherapie oder Verhaltenstherapie inkl. Biofeedback sowie Elektrostimulation oder eine verzögerte Therapie (Kontrollgruppe). Bei den Patienten der ersten Gruppe sank die Zahl der Inkontinenz-Episoden pro Woche um 55 Prozent (von 28 auf 13), bei denen der zweiten Gruppe um 51 Prozent (von 26 auf 12). Die Erfolge waren zudem von Dauer. Sie hielten über die gesamte Nachbeobachtungszeit von zwölf Monate an.

Verbesserte Lebensqualität

„Zwar beseitigt die Verhaltenstherapie eine Harninkontinenz nicht völlig“, so Goode, „aber sie lässt sich damit deutlich bessern.“ Die Betroffenen können mit vergleichsweise wenig Aufwand ihre Lebensqualität erheblich verbessern.

 

 

Goode P. S. et al. Behavioral Therapy With or Without Biofeedback and Pelvic Floor Electrical Stimulation for Persistent Postprostatectomy Incontinence: A Randomized Controlled Trial. JAMA 2011;305(2):151-159.doi:10.1001/jama.2010.1972

springermedizin.de, Ärzte Woche 11 /2011

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